Ausstellungen
Player laden ...

Kunsthalle 8000 | Marc Zeier | Blackbox | Biomasse Plankton

Eine Ausstellung an der Schnittstelle von Akustik, Wissenschaft und Skulptur

Wer diesen Raum betritt, betritt eine «Blackbox». So jedenfalls heisst der dunkle Raum, den Marc Zeier eingerichtet hat. Düster sind die Klänge im Innern, dunkel die Filme, die ablaufen. Schmutzige, gelbe Plastikkanister stehen herum, in denen Biomasse angereichert wird. Ein Paar Gummistiefel noch, mit denen Zeier selbst seinem Beruf nachgeht: Plankton fischen.

Marc Zeier ist Klangforscher und visueller Künstler. Er lebt in Zürich und wurde 1954 in Jersey City USA geboren. Im Schaffen Zeiers spielt seine Existenz als Planktonfischer eine elementare Rolle. Ausgangspunkt bilden Beobachtungen und Erfahrungen, die er während seiner Tätigkeit als Planktonfischer gewinnt. Aus diesem Potenzial generiert Zeier in seinem Studio räumliche Situationen, wo er mit Kamera, Mikroskop und hochauflösenden Spezialmikrofonen das Verhalten der «Daphnia magna» Kleinkrebse untersucht und deren Ergebnisse die Basis für seine Installationen und Soundscapes bilden.

Kleinkrebse und Kunst

Arbeit und Kunst sind bei Zeier eng miteinander verflochten. Sein Beruf als einziger Planktonfischer der Schweiz für Zoo, Zoohändler und die Renaturierung von Gewässern übt er seit 1981 aus, anschliessend an sein Kunststudium. Plankter sind die einzelnen Organismen des Plankton und werden in unseren Süsswasser-Breitegraden oft «Wasserflöhe» genannt. Meist handelt es sich um Kleinkrebse, einen bis drei Millimeter gross, die in unseren Gewässern wie auch in den grossen Meeren enorm wichtig sind als Nahrung grösserer Tierarten. Sie standen auch am Anfang der Evolution. Plankter sind Lebewesen, die nicht gegen Strömungen schwimmen können und so gewissermassen im Wasser Umhergetriebene sind, die sich eigene Strategien angeeignet haben, um Auf- und Abtrieb zu meistern.

Wie klingt Plankton-Gesang?

In der Blackbox tauchen wir also ab in eine Welt des Umhertreibens. Die Lebensform der Plankter wird zum Symbol dessen, was in der Blackbox abläuft. Denn die Blackbox in ihrer ursprünglichen Form, im Behaviorismus, ist ein System zur Verarbeitung aller psychischen und kognitiven Prozesse: Der Mensch erhält ein Signal (einen Reiz), verarbeitet ihn in der Blackbox, und ein Verhalten (eine Reaktion) erfolgt. Folgt man den beavioristischen Theorien, dann können wir nicht wissen, was genau in der Blackbox abläuft. Darum wird Zeiers Blackbox spannend: Er führt uns in eine Erlebniswelt. Zum einen bietet er uns mit den Klängen (bei denen es sich u. a. um in extremis verstärkte Plankton-Gesänge und verstärktes Plankton-Geschabe handelt) und den Filmen eine faszinierende Deutung vom Funktionieren einer Blackbox an. Andererseits verbindet er dieses Innenleben stark mit seiner eigenen Person. Die Requisiten aus seinem Beruf sind auch Hinweis auf eine Selbstreflexion. Wir befinden uns in einem multimedialen Laboratorium eines Lebens zwischen Kunst und Beruf. In seiner Blackbox tariert Marc Zeier permanent Kunst und Leben als einen Schwebezustand aus, einen Zustand zwischen Strukturierung und treiben lassen.

Text: Michael Kathe

weniger lesen

arttv Dossiers

Kulturnachrichten

CLICK Unser eMagazin