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Kunst Museum Winterthur | Mathis Altmann

Eine künstlerische Sichtweise auf die globalisierte, digitalisierte und gleichwohl nach Individualität strebende Gesellschaft der heutigen Zeit

Trotz des Strebens nach Einzigartigkeit, exklusiven Accessoires und durchgestalteten «Coworking-Spaces» ist eine ästhetische Uniformierung in der westlichen Gesellschaft zu beobachten. Der Künstler Mathis Altmann (* 1987) beschäftigt sich mit diesem Zwiespalt von Individualisierung und Einheitsbrei und hält mit seinen Werken der heutigen Welt den Spiegel vor. Dafür erhält er den Manor Kunstpreis 2021 des Kantons Zürich.

Mathis Altmann wurde 1987 in München geboren und lebt und arbeitet in Zürich und Los Angeles. 2011 schloss er sein Bachelor-Studium in bildender Kunst an der ZHdK in Zürich ab. Sein Schaffen war in den letzten Jahren in verschiedenen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Mit dem Manor-Kunstpreis richtet Mathis Altmann im Kunst Museum Winterthur seine erste Museumsausstellung aus. Damit verbunden ist auch die Herausgabe der ersten Publikation des Künstlers.

Ein kritisch-ironischer Blick auf seine Generation

Mathis Altmann ist mit den Versprechen des Internets und dem Siegeszug des Kulturkapitalismus aufgewachsen. Er hat ein waches Auge für soziale und kulturelle Veränderungen entwickelt. Kritisch und ironisch zugleich nehmen seine Werke die Verwertung von Mode und Lifestyle der Gegenbewegungen der Jugendkultur in eine Erlebnisgesellschaft und die Auswirkungen der digitalen Vernetzung aufs Korn. Seine Miniaturwelten aus Fundstücken, Gebrauchsgegenständen, Spielzeugen, Bauwerkstoffen und Abfall sind ein kluges Spiel mit den Traditionen der Assemblage das inhaltlich mit der Darstellung einer vollends fragmentierten Welt einhergeht. Die Werke spielen auf die wieder präsente DIY-Kultur der Punkzeit ebenso an wie auf das Bewusstsein für Wiederverwertung der Generation Z.

Künstlerischer Rücktritt

Für seine Ausstellung, die erste in einem Museum, entwickelte Altmann eine neue Serie von Werken. Dabei kombiniert er wiederverwertetes Material aus älteren Arbeiten mit neuen Fundstücken sowie hochwertige Edelstahlspiegel und LED-Matrix-Screens. Die Wandobjekte sind gegenüber den überbordenden Assemblagen stark reduziert und werfen das Publikum buchstäblich auf sich selbst zurück – der Künstler nennt seine Arbeitsweise selbst «withdrawal». Die Werke nehmen das aktuelle Bedürfnis nach Selbstverwirklichung auf, die vom Wunsch der Erfahrung des Authentischen angetrieben wird. Altmann führt dieses Streben nach öffentlich zur Schau gestellter Einzigartigkeit ad absurdum, indem er Videosequenzen, Werbeslogans und Logos von Lebensmittel-, Tech- oder Pharmaunternehmen in seine Werke einbaut, die zu Wiedererkennungszeichen dieses Lebensstils geworden sind. Mit Humor und vielschichtigen Referenzen gelingt es ihm, das Publikum über sich selbst und die Veränderungen von Freizeit-, Arbeits- und Konsumverhalten nachdenken zu lassen.

Manor Kunstpreis Kanton Zürich

Der Manor Kunstpreis ist der wichtigste private Förderpreis für das zeitgenössische Kunstschaffen in der Schweiz. Der Preis wurde 1982 in Luzern ins Leben gerufen. Er wird von einer Fachjury in sechs Schweizer Städten verliehen, wobei sich Aarau, Basel, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Luzern, Lugano, Schaffhausen, Sion, St. Gallen und Winterthur im Zweijahresrhythmus abwechseln. Ein Blick auf die Liste der Preisträger verdeutlicht die Bedeutung des Preises, der für zahlreiche Schweizer Kunstschaffende zum Sprungbrett für eine internationale Karriere wurde. 2021 wird der Preis in Zürich zum 12. Mal vergeben. Die Jury des Manor-Kunstpreises des Kantons Zürich bestand aus folgenden Personen: Ines Goldbach (Kunsthaus Baselland), Bob Gramsma (Künstler), Pierre-André Maus (Maus Frères SA), Chantal Prod’Hom (mudac Lausanne) und Nadine Wietlisbach (Fotomuseum Winterthur). Bisherige Preisträger waren: Britta Huttenlocher, Mario Sala, Andro Wekua, Fabian Marti, Alexandra Navratil, El Frauenfelder, Christoph Eisenring und Brigham Baker.

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