Fabrice Hyber gibt eine mögliche Antwort: Kunst bedeutet Hoffnung und Glauben an die Vielfalt, sie entwirft Gegenwelten und Utopien – und manchmal realisiert sie diese auch. Für die Ausstellung in der Kartause Ittingen ging der Künstler von der Lebensweise der Kartäusermönche aus. Er zeigt nicht nur Entwicklungsprozesse der Natur in Gemälden, sondern macht auch emotionale Wandlungsprozesse in Form von Figuren erlebbar.
Kunst als Hoffnungsträger – Fabrice Hybers Vision im Kunstmuseum Thurgau
- Publiziert am 13. März 2026
In Kooperation mit dem Kunstmuseum Thun wird Fabrice Hybers umfangreiches Schaffen in einer zweiteiligen Ausstellung präsentiert. Begleitend erscheint im Verlag für moderne Kunst eine gemeinsame Publikation in Deutsch und Französisch.
Kunst als lebendiges System
Fabrice Hybers Werke sind keine abgeschlossenen Objekte, sondern Teile eines offenen Denk- und Wachstumssystems. Seine Bilder wirken wie lebendige Diagramme: organische Formen, Wörter, Pfeile, Pflanzen, Körperfragmente — alles scheint miteinander verbunden, als würde sich ein riesiges neuronales Netz über die Leinwände spannen. Der Künstler versteht Kunst als Prozess, nicht als Produkt. Ideen sollen sich vermehren, verändern und weiterwirken — ähnlich wie biologische Organismen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltag bewusst. Hyber entwirft Modelle für eine Welt, in der Kreativität nicht Dekoration, sondern Überlebensstrategie ist. Seine Arbeiten laden dazu ein, Zusammenhänge neu zu denken: zwischen Mensch und Natur, Individuum und Gesellschaft, Gegenwart und Zukunft. In einer Zeit, die von Beschleunigung und Krisen geprägt ist, setzt er auf Komplexität statt Vereinfachung — und auf Imagination als politische Kraft.
Der Künstler als Hoffnungsgenerator
Hybers Vision bleibt jedoch nicht im Museum stehen. Seit Jahrzehnten arbeitet er parallel an einem realen Langzeitprojekt: Auf ehemaligem Agrarland in der französischen Vendée pflanzt er tausende Bäume und verwandelt Monokultur in ein komplexes Ökosystem. «La Vallée» ist zugleich Kunstwerk, Forschungsfeld und Zukunftslabor — ein Beispiel dafür, wie ästhetisches Denken konkrete ökologische Transformation anstossen kann. Diese Verbindung von poetischer Utopie und realem Handeln macht Hyber zu einem der interessantesten Hoffnungsträger der Gegenwartskunst. Seine Ausstellung in der Kartause Ittingen wirkt wie ein begehbares Manifest gegen Resignation. Statt Weltuntergangsstimmung entwirft sie eine radikal andere Perspektive: Veränderung beginnt mit Vorstellungskraft. Oder anders gesagt — Kunst kann vielleicht nicht allein die Welt retten, aber ohne sie lässt sich keine neue denken.
