Kleidung schützt nicht nur den Körper, sondern erzählt Geschichten, stiftet Zugehörigkeit und macht gesellschaftliche Normen sichtbar. Sadhyo Niederberger und Mia Sanchez nähern sich diesem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Medien. Dabei verbindet ihre Arbeiten eine zentrale Frage: Wie entsteht Identität, und welche gesellschaftlichen Strukturen werden durch Kleidung sichtbar? Zugleich eröffnet die Ausstellung in der Beletage Aarau einen Dialog zwischen zwei Künstlerinnengenerationen und zeigt die Vielfalt zeitgenössischer Auseinandersetzungen mit ähnlichen Fragen.
KÖRPER, KLEIDER UND CODES – SADHYO NIEDERBERGER UND MIA SANCHEZ
Sadhyo Niederberger (*1962, Muri AG) lebt und arbeitet in Aarau und Zürich. Nach ihrem Studium an der École supérieure des arts visuels (heute HEAD) in Genf, das sie 1989 abschloss, stellt sie regelmässig im In- und Ausland aus. Ihre künstlerische Praxis umfasst Malerei, Zeichnung, Installation, Objekt, Video und kuratorische Projekte. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Fragen nach der Wahrnehmung, der Bildproduktion und der gesellschaftlichen Bedeutung von Bildern. Derzeit arbeitet sie vor allem mit gebrauchten Textilien, deren materielle und biografische Spuren sie zu raumgreifenden Installationen verarbeitet. Ihre aktuellen Werke bewegen sich zwischen Skulptur, Erinnerung und einer kritischen Auseinandersetzung mit Konsum, Überfluss und Materialität. Sadhyo Niederberger ist 2026 als Stadtkünstlerin von Aarau ausgezeichnet und wird aktuell von einem Freiraum Beitrag durch das Aargauer Kuratorium unterstützt.
Mia Sanchez (*1988, Sevilla) lebt und arbeitet in Basel. Sie studierte an der Hochschule der Künste Bern (HKB), absolvierte ein Gastjahr an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK) und schloss ihren Master am Institut Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Basel ab. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Museum Folkwang (Essen), bei SALTS (Birsfelden), im Istituto Svizzero (Mailand), in der Galerie nächst St. Stephan (Wien), im Kunsthaus Langenthal sowie im Centre d'art Neuchâtel gezeigt. Ihre Videoarbeiten waren unter anderem im Kino Süd, bei Almusibli Panorama und in der Julia Stoschek Foundation zu sehen. Mia Sanchez erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Kiefer Hablitzel
Preis (2018), ein Stipendium der Akademie der Künste Berlin (2020) sowie den Schweizer Kunstpreis (Swiss Art Award, 2023). Von 2023 bis 2024 war sie Fellow Artist am Istituto Svizzero in Rom. Seit 2015 ist sie Mitinitiantin des Offspaces Riverside.
Blick in die Ausstellung
Mia Sanchez beschäftigt sich mit Kleidung und Textilien kontinuierlich in ihren Siebdrucken auf Leinwand. Aus Fotografien einzelner Kleidungsstücke entstehen im Druckprozess Konstellationen, die Fragen nach den Kleidercodes und deren Bedeutung aufwerfen. Durch identische Rasterung der Bilder und den Schwarz-Weiss-Druck entstehen neutral erscheinende Musterkollektionen. In der Beletage zeigt Mia Sanchez die Werkserie Pattern Recognition (2025), die auf der vorherigen Serie Strategies (2023) aufbaut. Grossformatige Siebdrucke zeigen gleichzeitig grosse Umzugskleiderkartons und deren Inhalt.
Sadhyo Niederberger entwickelt für die Beletage eine raumgreifende Bodeninstallation aus gebrauchten dunklen Kleidungsstücken. «Blow Up II» ist ein weit ausgreifendes Gewebe aus Kordeln und Wülsten, das sich über den Boden ausbreitet. Die ehemals getragenen Kleider verlieren ihre Funktion und werden zu einem skulpturalen Material, in dem sich individuelle Lebensgeschichten, Erinnerungen sowie Fragen nach Konsum und Materialkreisläufen verdichten.
