Szene
Ein Festival zwischen Tanz, Performance und Kunst: Emilie Pitoiset, Tainted Love, 2017-2022, photographies; Not Yet Titled #2, 2017, sculpture, FNAC Inv. 2021-0486, CNAP Paris; Sweat core pulls up tonic dreams, 2022, adhésif; DFTL au Commun | © Julien Gremaud

Genfer Festival |  Arta Sperto | DANCE FIRST THINK LATER

Ein Projekt von Olivier Kaeser an der Grenze zwischen Tanz, Performance und bildender Kunst

Das Festival steht sinnbildlich für die Absichten von Arta Sperto, einer Organisation für das Kuratieren, Produzieren, Organisieren und Veröffentlichen von multi- und transdisziplinären künstlerischen Projekten, die keinen festen Standort hat, sondern ihre Projekte in Zusammenarbeit mit kulturellen Partnern oder im öffentlichen Raum konzipiert. Im Mittelpunkt steht der Tanz.

Der Titel «Dance First Think Later» wurde von einer Passage aus Samuel Becketts Waiting for Godot inspiriert. Wie so oft bei diesem Meister des Absurden entpuppt sich ein Satz als komplexer als er zunächst erscheint. Dieser Titel soll herausfordern und Aufmerksamkeit erregen. Die Schlüsselwörter Dance und Think und der Begriff der Dauer (First and Later) rücken den denkenden Körper in Bewegung ins rechte Licht.

Beteiligte Kunstschaffende: Alice Anderson, Marco Berrettini + Yan Li + performers, Lara Dâmaso, Manon de Boer + Latifa Laâbissi, Agnès Geoffray, Zuzana Kakalikova , Isabel Lewis et coll. + The Field, Adam Linder, Shahryar Nashat, Ceylan Öztrük, Samuel Pajand + Cosima Grand, Emilie Pitoiset, Davide-Christelle Sanvee, Ulla von Brandenburg

Schwerpunkt Tanz
«Dance First Think Later» bewegt sich auf künstlerischem Terrain, in Bereichen, die sich gegenseitig befruchten, aber mit sehr unterschiedlichen Produktions- und Präsentationsmechanismen arbeiten. Im Mittelpunkt des Projekts steht der Tanz, d. h. die Gesten und Bewegungen des menschlichen Körpers, ihre Bedeutungen und Interpretationen in verschiedenen Kulturen und ihre Betrachtung durch verschiedene Prismen und kulturelle Unterschiede, sinnlich, politisch, sozial, rituell, technologisch, geschlechtsspezifisch … Dies ist ein sehr reichhaltiges künstlerisches Feld mit vielfältigen Themen und Perspektiven, die die Entwicklung von Ansätzen und Erfahrungen möglicherweise über mehrere Jahre hinweg ermöglichen.

Nach mehr als 30 Jahren Engagement in der zeitgenössischen Kunst hat Olivier Kaeser das Gefühl, dass es notwendig ist, Veranstaltungsformen zu entwickeln, die etablierte Modelle erweitern, insbesondere durch Projekte, bei denen sich künstlerische Bereiche gegenseitig befruchten. Die Teilnehmer von DFTL sind bildende Künstler:innen, die sich mit dem Thema Tanz beschäftigen, ihn in ihren Ansatz integrieren oder mit Choreographen zusammenarbeiten, die Werke für Ausstellungsräume entwerfen, oder Performer, oder transdisziplinäre Künstler:innen, die zwischen verschiedenen künstlerischen Szenen oszillieren. In Le Commun werden materielle Arbeiten (Installationen, Videos, Skulpturen, Gemälde, Objekte, Fotografien) und für Ausstellungsräume konzipierte Performances zu sehen sein. Im Pavillon ADC werden Bühnenarbeiten von bildenden und darstellenden Künstler:innen zu sehen sein und Cinémas du Grütli zeigt Filme von Künstler:innen und, die mit Choreographen zusammenarbeiten.

Vokabular der Choreografie
Multi- und Transdisziplinarität ist kein Selbstzweck, sondern ein offenes Feld, um die heutige Welt wahrzunehmen und zu hinterfragen. Bewegung und Geste haben in allen Kulturen und in vielen Bereichen der Gesellschaft eine spezifische Bedeutung: Politik, Diplomatie, Sport, Armee, Kommunikation, soziale Kämpfe, Strassendemonstrationen, Rituale … Überall übermitteln Gesten Botschaften, werden in den Medien und in den sozialen Netzwerken hinterfragt, sie bringen Menschen zusammen oder trennen sie voneinander. Darüber hinaus zeugen Ausdrücke wie “diplomatisches Ballett”, “politischer Fauxpas”, “politische Haltung”, “Pas de deux”, “unbeholfener Gang”, “Massenbewegung”, “Körpersprache”, “revolutionäre Geste”, “unangemessene Geste”, “missverstandene Geste” davon, dass Wörter, die vor allem mit dem Vokabular der Choreografie verbunden sind, auch in vielen anderen Bereichen verwendet werden.

Neue Gesten
Darüber hinaus ist für Olivier Kaeser klar, dass die COVID-19-Periode sehr «choreografisch» war, da wir uns noch nie so sehr mit der Art und Weise, wie wir uns bewegen, auseinandergesetzt hätten: Wir haben natürliche Gesten verlernen und neue erlernen müssen, wir haben uns über vorgeschriebene oder verbotene Gesten und Bewegungen Gedanken gemacht. Auf diese Weise haben wir uns, ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein, den Fragen und Überlegungen angeschlossen, die Choreographen über die Bedeutung und den Umfang einer bestimmten Geste und Bewegung, sei sie individuell oder kollektiv, anstellen. Die Auswirkungen dieser Überlegungen und bestimmter Verhaltensänderungen werden wahrscheinlich noch lange nachwirken.

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