Andy Warhol, «Skull», 1976-77 | Synthetische Polymerfarbe und Siebdruck auf Leinwand, 38,1 x 48,3 cm | Privatsammlung, Schweiz | © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / 2017, ProLitteris, Zürich

Fondation Beyeler | Sammlung Beyeler / Cooperations

Wie wird sich die wichtigste private Kunstsammlung der Schweiz weiterentwickeln?

Die Ausstellung «Cooperations» folgt einer kunstgeschichtlichen Chronologie des Ausstellens selbst: beginnend mit der Wunderkammer als Ursprung des Museums, über den Salon der Moderne bis hin zum White Cube der Gegenwart. Rund 170 Werke aus acht Ländern spannen einen zeitlichen Bogen von der Spätrenaissance bis ins 21. Jahrhundert.

Die Zukunft der Sammlung
Im 20. Geburtstagsjahr der Fondation Beyeler zeigt die dritte und finale Sammlungspräsentation «Cooperations» Varianten, wie sich die Sammlung zukünftig durch mögliche Dauerleihgaben, Erwerbungen und Schenkungen erweitern und präsentieren könnte. Dem Haus verbundene Künstler, Künstlernachlässe und Sammler wurden eingeladen, Meisterwerke aus ihrem Besitz mit der Sammlung Beyeler temporär in Verbindung zu bringen. Dieses Verständnis von der hauseigenen Sammlung als lebendiges und einem steten Wandel unterworfenes Ganzes bedingt das fortwährende Erproben von Möglichkeiten der Sammlungspräsentation.

Chronologie des Museums
In den ersten drei Sälen klingen überlieferte Präsentationsformen sowohl in der Anordnung der einzelnen Objekte und Werke als auch in der Gestaltung der Räume an. Eine einzigartige Inszenierung im ersten Saal, die sich am historischen Konzept der Wunderkammer, dem Ursprung des Museums orientiert – gleichsam ein Museum im Museum – eröffnet die Ausstellung: Die Kombination von Sammlungswerken mit Leihgaben vor allem aus einer Basler Privatsammlung würdigt die grosse Tradition des Sammelns und die dem Sammeltrieb zugrunde liegende Neugier auf das Besondere, Ästhetische, Skurrile oder Kuriose. So wird z. B. ein Narwalzahn gezeigt, der früher für das Horn eines Einhorns gehalten wurde. Einen wichtigen Akzent werden Werke der afrikanischen und ozeanischen Kunst aus der Sammlung Beyeler setzen, ihrerseits ergänzt durch besondere Leihgaben wie beispielsweise eine Malagan-Maske aus dem Musée Barbier-Mueller in Genf und weitere bedeutende Exponate aus einer New Yorker Privatsammlung.

Pariser Moderne
In einer Hommage an den Salon der Moderne in der Tradition von Gertrude Stein und anderen Pionieren des Sammelns moderner Kunst werden u. a. Werke von Paul Cézanne, Pablo Picasso und Vincent van Gogh im zweiten Saal zu sehen sein. Der Salon als Ort der Begegnung zwischen Künstlern, Sammlern und Kunstbegeisterten findet seine Entsprechung in der Entwicklung der Fondation Beyeler zu einem beliebten Treffpunkt der Kunstwelt.

surreal und Pop
Der dritte Saal ist dem Surrealismus und damit den Künstlern Max Ernst, René Magritte, Balthus und Joan Miró gewidmet. Mit den Leihgaben von wichtigen Magritte-Werken wird die Sammlung der Fondation Beyeler um eine zentrale Position erweitert. In Erinnerung an die revolutionären, von den Surrealisten selbst organisierten Ausstellungen surrealistischer Kunst werden alle Bilder auf schwarzem Grund und in dramatischer Beleuchtung in Szene gesetzt.
Des Weiteren sind deutsche und Schweizer Privatsammlungen mit Meisterwerken von verschiedenen Protagonisten des Abstrakten Expressionismus wie beispielsweise Morris Louis und Willem de Kooning sowie mit Schlüsselwerken der Pop Art vertreten. Bedeutende Werke von Roy Lichtenstein werden Andy Warhol gegenübergestellt. Unter anderem wird das Gemälde Joseph Beuys, 1980, von Andy Warhol gezeigt. Es ist eines der wenigen, das der Künstler mit einer feinen Schicht aus Diamantstaub verziert hatte. In einem aufwendigen Restaurierungsprojekt wurde das Gemälde nach grundlegenden Analysen und Tests über mehrere Monate gereinigt und ist nun zum ersten Mal wieder in einer Ausstellung zu sehen.

one on one
Besonders erwähnenswert sind die Säle in denen jeweils zwei Künstler miteinander in Dialog treten. So trifft Yves Klein auf Lucio Fontana und Claude Monet auf Marina Abramović. Als weiteres Highlight kann Yves Kleins «Anthropométrie sans titre» von 1960 bezeichnet werden, ein monumentales Gemälde auf Leinwand, das zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz zu sehen ist.
Eigene Künstlerräume sind Gerhard Richter, Peter Doig und Louise Bourgeois, gewidmet. Die bemerkenswerte mehrteilige Papierarbeit «The Hours of the Day», 2006, der New Yorker Künstlerin wird hier zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Die Ausstellung «Cooperations» endet mit Félix González-Torres‘ Perlenvorhang «Untitled» (Beginning), 1994, der als Metapher sowohl für das Ende der Sammlungspräsentationen anlässlich des 20. Geburtstagsjahres der Fondation Beyeler steht, gleichsam aber durch seinen Titel auch einen Blick auf die kommenden Jahre wirft.

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