Hans Fischli gehört zu jener Generation von Schweizer Künstler:innen und Architekt:innen, die zwischen Bauhaus-Idealen, politischer Unruhe und persönlicher Suche nach Ausdruck eine eigene Bildsprache entwickelten. Mit zarten Gefängniszeichnungen, frühen Architekturentwürfen und der Nähe zu Paul Klee macht die Ausstellung ein überraschend vielschichtiges Frühwerk sichtbar. Zu sehen sind Fischlis Arbgeiten Im Rahmen der Dauerausstellung «Kosmos Klee».
Ein Schweizer Bauhausschüler im Fokus
- Publiziert am 12. Januar 2026
Bauhaus, Klee und die Suche nach eigener Sprache
Ab 1928 studierte Hans Fischli am Bauhaus in Dessau. Die Begegnung mit Lehrern wie Paul Klee, Josef Albers, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer prägte ihn nachhaltig, doch er blieb kein Epigone. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz arbeitete er als Bauzeichner und Architekt, widmete sich jedoch über mehrere Jahre beinahe ausschliesslich der Zeichnung. In den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren entstand eine umfangreiche Serie zarter Farb- und Tuschezeichnungen, die zwischen innerer Welt und äusserer Bedrohung oszillieren. Werkgruppen wie Zellengebilde, Celerina und Montana zeigen eine poetische, fragile Moderne – jenseits reiner Konstruktion und formaler Strenge.
Zeichnen in der Zelle
Ein Schlüsselkapitel in Fischlis Frühwerk entstand unter extremen Bedingungen. 1930 wurde er wegen Dienstverweigerung zu drei Monaten Haft im Bezirksgefängnis Meilen verurteilt. In der Isolationshaft, mit minimalen Mitteln, zeichnete er kleinformatige Fantasiegebilde: organisch, filigran, manchmal menschenähnlich, manchmal tierisch oder pflanzenhaft. Diese nummerierte Serie nannte er Zellengebilde – nach dem Ort ihrer Entstehung. Später sagte Fischli über diese Zeit: «…drei Monate Isolationshaft, die für mich enorm wichtig gewesen sind, weil ich endlich einmal nichts anderes machen konnte als zu zeichnen.»
Das Träumerische dieser Bilder widerspricht der Vorstellung einer streng rationalen Moderne – und öffnet einen emotionalen, inneren Zugang zur Avantgarde.
Architektur zwischen Ideal und Realität
Neben dem zeichnerischen Werk zeigt sich Hans Fischli auch als Architekt einer bewegten Zeit. Gezeigt werden frühe Projekte aus den 1930er- und 1940er-Jahren, die politische Unsicherheit und wirtschaftliche Not widerspiegeln. Ein kaum beachtetes Beispiel ist das ab 1936 geplante Atelierwohnhaus im Schwarzwald für seinen früheren Bauhaus-Lehrer Oskar Schlemmer. Nachdem die Reichsversicherung ihren Baukredit zurückgezogen hatte, wurde das Projekt zum Zeugnis des Bauens am Existenzminimum. Fischli verstand Architektur zugleich als gesellschaftlichen Dienst: als Ausstellungsarchitekt der Wanderausstellung «Kriegsgefangen» (1945) des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz oder als pädagogisch interessierter Erbauer des Kinderdorfs La Rasa für Kriegswaisen in Norditalien (1949/50). Kuratiert wird die Präsentation von Fredi Fischli und Niels Olsen und ergänzt durch einen frei zugänglichen Digital Guide sowie eine Folge der englischsprachigen Podcast-Serie «bauhaus faces», in der Hans Fischlis Sohn Peter Fischli sowie seine Enkel Fredi und Gina Fischli vom Leben und Werk des Künstlers erzählen – persönlich, familiär und zugleich historisch verankert.



