Was passiert, wenn man den Lebensraum eines Tieres radikal ernst nimmt — und dafür die Architektur selbst verändert? Mit The Salamander Room schafft Annina Arter eine ebenso sinnliche wie gedanklich präzise Installation, die Design, Kunst und Literatur miteinander verschränkt. Dabei entsteht ein begehbares Szenario zwischen Fantasie und Realität, das den Ausstellungsraum in eine fragile Landschaft möglicher Lebensformen verwandelt.
Ein Raum für ein imaginäres Tier
- Publiziert am 18. März 2026
Annina Arter verwandelt die Kunsthalle Arbon in ein poetisches Gefüge aus Textil, Raum und Erzählung
Textile Architektur als Denkraum
Die Zürcher Textildesignerin Annina Arter, die mehrere Jahre für das renommierte Haus Jakob Schlaepfer tätig war, arbeitet seit 2017 in ihrem eigenen Studio an Projekten zwischen angewandtem Design und freier Kunst. Für die Kunsthalle Arbon entwickelt sie eine ortsspezifische Intervention aus frei hängenden, halbtransparenten Tapetenbahnen, die den Ausstellungsraum nicht nur bespielen, sondern neu definieren. Die Stoffbahnen schneiden Blickachsen, schaffen Durchgänge, Überlagerungen und visuelle Tiefen. Innen und Aussen, Vorder- und Hintergrund, Nähe und Distanz beginnen zu oszillieren. Der Raum wird nicht dekoriert — er wird umgeschrieben. Es entsteht eine fragile, begehbare Landschaft, die Architektur, Bild und Textil zu einem einzigen Erfahrungsraum verschmilzt.

Zwischen Utopie und Fürsorge
Ausgangspunkt ist Anne Mazers Kinderbuchparabel The Salamander Room (1991): Ein Junge verwandelt sein Zimmer schrittweise in den idealen Lebensraum für einen Salamander. Was zunächst wie eine naive Fantasie wirkt, entpuppt sich als radikale Frage nach Verantwortung, Aneignung und Koexistenz. Arter übersetzt diese Idee in textile Bildwelten, die Naturmotive, architektonische Strukturen und abstrakte Muster miteinander verweben. Das Ergebnis ist ein schwebendes Panorama möglicher Räume — weder eindeutig künstlich noch natürlich, weder Schutzraum noch Wildnis. Die Installation wird so zu einer leisen, aber eindringlichen Reflexion über unsere Beziehung zur Umwelt: Wie viel Raum geben wir dem Anderen? Und wie weit dürfen wir ihn gestalten? Die integrierte Kinderbuchsammlung lädt zudem dazu ein, die literarische Quelle direkt zu erleben — für Kinder ebenso wie für Erwachsene.

