Die Teilnehmerzahl an der Photo Schweiz beeindruckt – zumindest auf den ersten Blick – und man darf sie durchaus positiv lesen. Sie zeigt, wie gross der Wunsch ist, sich fotografisch auszudrücken, sichtbar zu werden und Teil einer öffentlichen Plattform zu sein. Die Lust am Fotografieren scheint offensichtlich ungebrochen. Doch die Suche nach Exzellentem unter all den Teilnehmenden braucht Zeit. arttv.ch hat sich genau dieser Arbeit gestellt.
Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen
- Publiziert am 27. Januar 2026
Sichten, Zweifeln, Finden
Wir haben uns die Mühe gemacht, sämtliche 300 Dossiers im Presseordner vollständig durchzugehen. Nicht selektiv, nicht nach Namen, nicht nach Marktwert – sondern mit dem Anspruch: jene Arbeit zu finden, die uns fotografisch besonders überzeugt, ein Thema stringent verfolgt und über eine eigenständige Bildsprache verfügt. Das war zeitaufwendig. Und stellenweise ernüchternd. Denn je länger man sucht, desto deutlicher wird, wie gross die Diskrepanz zwischen Teilnahme und Qualität ist. Vieles ist technisch korrekt, sauber produziert, ästhetisch gefällig – aber ohne Zuspitzung, ohne klare Setzung. Einige Arbeiten wirken wie ambitionierte Freizeitfotografie: ordentlich, engagiert, aber ohne konzeptionelle Tiefe oder formale Konsequenz. Bilder, die man schnell wieder vergisst. Und dennoch: Es hat sich gelohnt. Exzellentes ist durchaus vorhanden. Es besteht jedoch die Gefahr, dass ohne die nötige Zeit, sich durch eine grosse Menge durchschnittlicher Arbeiten zu bewegen, die wirklich starken Positionen übersehen werden. Aber die Auseinandersetzung lohnt sich – und wir wurden mehrfach fündig.
Philipp Fenner alias botbrainery
Mit Philipp Fenner alias botbrainery stellen wir aber exklusiv jene Position vor, die uns im Rahmen der Photo Schweiz besonders überzeugt hat. Nicht, weil sie die einzige wäre, die Aufmerksamkeit verdient – auch andere Arbeiten hätten es verdient, ins Licht gerückt zu werden. Philipp Fenner ist jedoch jener Teilnehmer an der Photo Schweiz 2026, den wir besonders gerne vorstellen. Der im Kanton Zürich lebende Künstler arbeitet an der Schnittstelle von Fotografie, künstlicher Intelligenz und Street Culture. Seine Bildwelten verbinden Hyperrealismus, Couture und urbane Codes zu einer eigenständigen Ästhetik. KI ist dabei nicht Effekt, sondern Werkzeug für Fragen von Identität, Körperlichkeit und digitaler Verletzlichkeit. Unter dem Alias botbrainery entstehen hyperrealistische AI-Porträts zwischen Street Culture, High Fashion und digitalem Mythos. Albino-ähnliche Figuren, Chrom, Tattoos und Goldketten treffen auf Masken, florale Formen und künstliche Perfektion. Die Bilder wirken kühl und elegant, zugleich fragil und zurückhaltend. Identitäten erscheinen hier zwischen Eleganz, Strasse und Maschine – klar gesetzt, konzentriert ausgearbeitet, ohne erklärende Umwege.
Zum Schluss
Unsere Wahl ist eine von vielen möglichen. Jetzt bist du gefragt. Nimm dir Zeit, geh hin, schau genau hin – und finde deine eigene Lieblingsposition an der Messe. Vielleicht ist es dieselbe. Vielleicht eine ganz andere. Nicht zu letzt darin liegt der Reiz der Sache.


