Ekaterina Sevrouk | «Fremd bin ich eingezogen» | 2017 | © © Ekaterina Sevrouk

Bieler Fototage 2018 | Glück

Ein Versuchslabor der zeitgenössischen Fotografie. Unter neuer Führung setzt die 22. Ausgabe der Bieler Fototage auf frische Synergien.

Die Fotografie sprengt in Biel 2018 die üblichen Grenzen. Im Verlauf des dreiwöchigen Festivals werden die verschiedenen Ausprägungen der Fotografie gezeigt. Die Referenten verfügen über unterschiedliche Hintergründe und geben einen tiefen Einblick in eine Kunst, die sich in konstanter Entwicklung befindet.

Vermessung des Glücks
Die 22. Ausgabe der Bieler Fototage vom 4. bis 27. Mai 2018 hinterfragt den Begriff «Glück». Die Erfüllung des Glücks steht in unseren Gesellschaften ganz weit oben auf der Liste. Gemessen wird es mittels «Bruttosozialglück» oder anhand der Anzahl Follower, welche die Generation Y zu mobilisieren vermag. Das Glück scheint mess- und kontrollierbar zu sein. Ob das Glück nun real, herbeifantasiert oder schlicht illusorisch sei, die ausgestellten Bilder legen Zeugnis ab von den verschiedenen Formen, welche die persönliche oder kollektive, manchmal paradoxe Jagd nach ihm und dessen Konstruktion annehmen kann.

Das Glück des sozialen Tiers
Vielleicht ist das Glück deshalb zu einem so hohen Ziel, zu einem in unzähligen Ratgeber-Büchern zur Persönlichkeitsentwicklung oder an Optimierungsseminaren weit entwickelten Marketingprodukt geworden, weil es in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten als unveräusserliches Menschenrecht verankert wurde. Die emotionale Bindung, die Gemeinschaft und das Kollektiv sind Quellen des Glücks für das sozial veranlagte Tier, das der Mensch ist. Welches politische oder soziale System führt eine Bevölkerung am ehesten zum Glück? Und zu welchem Preis setzt sich dieses System durch? Wo ist Glück anzusiedeln: in den wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen, auf dem Mars oder im Jenseits? Sind am Ende unsere Avatare glücklicher als wir selbst?

Drei abwechslungsreiche Wochen
Die erste Festivalwoche fokussiert im Rahmen von Workshops auf die virtuelle Welt. Die Workshops werden geleitet von drei Berufsfotografen («Photographing Virtual Spaces»). In der Folgewoche werden die schönsten Bilder ausgezeichnet, die Forscher*innen im Rahmen ihrer praktischen wissenschaftlichen Arbeit gemacht haben («Preisverleihung des SNF-Wettbewerbs wissenschaftliche Bilder»). Anschliessend widmen sich zwei Konferenzen den soziologischen und historischen Aspekten der Fotografie («Panorama der Dokumentarfotografie vom 19. bis zum 21. Jahrhundert» & «Fotografie und Soziologie: sich überkreuzende Geschichten»). Das Festival geht zu Ende mit Denkanstössen zur kulturellen Beteiligung und zur Art und Weise, wie verschiedene Publika angesprochen und neue gewonnen werden können. Die Denkanstösse werden im Rahmen des Anlasses «Kulturvermittlung und Fotografie: Perspektiven» geliefert.

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