Szene
Beatrix Bourdon, Geschäftsführerin BRAFA | © Xavier Janssens

Beatrix Bourdon ist seit 30 Jahren mit der Kunstmesse BRAFA verbunden.

«Ich war 27 Jahre, als das Abenteuer begann.»

Im Interview erzählt die Geschäftsführerin der BRAFA, wie es zu ihrer Anstellung kam, was die gemeinnützige BRAFA, die nunmehr seit mehr als 70 Jahren existiert, von anderen Messen unterscheidet und dass für Beatrix Bourdon alles mit einem Hocker auf der Treppe begann. Vom 29. Januar bis 5. Februar 2023 werden 130 Aussteller:innen gezeigt, davon 10 Galerien aus der Schweiz. Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe ist der Jugendstil.

BRAFA 2023

130 Aussteller:innen, davon 10 Galerien aus der Schweiz, bespielen vom 29. Januar bis 5. Februar 2023 die kompletten Hallen 3 und 4 auf der Brussels Expo im Heysel. Die Ausgabe 2023 steht ganz im Zeichen des Jugendstils. Die BRAFA wird die Jugendstilbewegung auf verschiedene Weise würdigen: Der Stand der König-Baudouin-Stiftung und einige auf das Sujet Art Nouveau spezialisierte Galerien werden eigens zu diesem Anlass aussergewöhnliche Werke mitbringen. Eine Besonderheit der BRAFA ist, dass die ganzen Hallenböden mit einem eigens von einem Künstler oder einer Künstlerin geschaffenen Teppichboden belegt ist. Die Umsetzung des BRAFA 2023-Teppichs basiert auf Originalzeichnungen von Victor Horta; mit zwei BRAFA Art Talks haben Kunstliebhaber:innen die Möglichkeit, noch tiefer in die Materie des Jugendstils einzutauchen.

2023 ist ein besonderes Jahr für Sie: Vor 30 Jahren fingen Sie bei der Messe an. Wie kam es damals zu einem ersten Kontakt mit der Foire des Antiquaires de Belgique, inzwischen umbenannt in BRAFA Art Fair?

Ich war 27 Jahre, als das Abenteuer begann: Während eines Abendessens erfuhr ich, dass die Foire einen Manager oder eine Managerin für die Leitung der Messe suchte; ich schickte meinen Lebenslauf und so fing es an. Zu Beginn hatte ich wenig Ahnung von den Hintergründen und den verschiedenen Aspekten der Organisation einer solchen Veranstaltung – eine Herausforderung, die ich gerne angenommen habe und einen immensen Lernprozess anstiess.

Waren Sie sich der Verantwortung bewusst, die Sie übernehmen?

Nicht wirklich und das war auch gut so. Ich bin voller Enthusiasmus und Lernbereitschaft in meine neue Aufgabe eingetaucht. Ich hatte bis dahin weder einen Katalog erstellt, noch den Hallenplan für eine Messe gestaltet oder eine Pressekonferenz abgehalten. Der damalige Vorsitzende Christian de Bruyn hat mich auf diesem Weg begleitet. Ihm ist zu verdanken, dass ich alles gelernt habe. Er widmete mir viel Zeit und all seine Energie, um mir die Abläufe und das Innenleben der Messe zu erklären. Letztlich ist die Organisation einer solchen Veranstaltung wie das Zusammensetzen eines Puzzles: Alle 20.000 Teile fügen sich perfekt ineinander.

Wenn wir hinter die Kulissen blicken: Die BRAFA besteht aus einem kleinen Team?

Die Messe hat eine enorme Entwicklung hinter sich, ist sehr stark gewachsen. Was als nationale Messe begann, ist heute ein internationaler Player. Zu Beginn meiner Zeit musste eine teilnehmende Galerie noch Mitglied der Belgischen Königlichen Kammer für Antiquitäten und Kunsthändler (ROCAD) sein. Die Kommunikation gestaltete sich damals auch völlig anders: ohne Webseite, E-Mails oder Mobiltelefone. Alles war ein wenig «handgemachter» (lacht). Dank meines Starts vor 30 Jahren in einer ersichtlich kleineren Messe hatte ich die Möglichkeit, alle Facetten und Aufgaben, die anfallen, in der Tiefe kennenzulernen. Heute wäre auf dem Hintergrund der Internationalität die Messe ohne ein dynamisches Team, das aus sechs Leuten besteht, undenkbar. Ich bin meinem Team immer wieder aufs Neue für die Umsetzung verbunden.

Erinnern Sie sich an Ihre erste BRAFA?
Das war im Palais des Beaux-Arts in Brüssel. Dort hatte ich kein Büro, also blieb mir nichts anderes übrig, als mich zwischen zwei Ständen mit einem sehr kleinen Schreibtisch – eigentlich einem Hocker auf der Treppe – einzurichten. Was am meisten Eindruck bei mir hinterlassen hat, war die Entdeckung der Schönheit der Werke, die überall um mich herum ausgestellt waren. Das verhält sich auch nach drei Jahrzehnten nicht anders: Auf jeder BRAFA verzaubern mich die von den Galerien ausgewählten Objekte und Kunstwerke neu.

Welche Erinnerungen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Davon gibt es unglaublich viele – zu viele, um hier genannt zu werden. Was mir jedoch in ganz besonderer Erinnerung bleibt, sind die Treffen: Ich habe durch die BRAFA viele Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Bereichen kennengelernt. Wir schätzen uns glücklich, dass wir angesehene Ehrengäste wie Julio Le Parc, Gilbert & George, Christo und Arne Quinze bei uns begrüssen durften. Das jährliche Wiedersehen mit den Aussteller:innen bereitet mir immer viel Freude. Schliesslich stehen sie bei uns im Mittelpunkt: Wir arbeiten das ganze Jahr daran und geben unser Bestes, damit bei ihrer Ankunft alles wie am Schnürchen läuft.

Gab es Besonderheiten?

Die Messe eröffnet mir die Möglichkeit, verschiedene aussergewöhnliche Orte zu besuchen. Ich denke dabei z.B. an das Schloss von Axel Vervoordt oder das Königliche Museum für Zentralafrika, dessen Depots ich mit Didier Claes erkunden durfte – das erweitert die Perspektive und öffnet meinen Blick.

Die Messewelt und der Kunstmarkt haben sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. Was ist Ihre persönliche Einschätzung dieser Entwicklungen?

Es gibt immer mehr Messen, von denen einige verstärkt kommerzielle Ziele verfolgen. Das setzt die BRAFA ab: Sie ist eine gemeinnützige Organisation. Wir sind in erster Linie für die Aussteller:innen da, die unsere Kund:innen sind. Natürlich könnten wir die BRAFA als Marke handhaben und kleine Ableger in Paris, London oder Amsterdam organisieren. Das ist jedoch weder unser Ziel noch unsere Vision. Was bei uns im Mittelpunkt des Interesses steht, ist die fortlaufende Verbesserung der eigentlichen Messe. Wir verfolgen andere Messen, die eine Lebenszeit von fünf oder zehn Jahre haben. Wir dagegen existieren seit beinahe 70 Jahren. Die BRAFA ist eine Veranstaltung, die sich konzentriert und beständig weiterentwickelt – mit Bodenhaftung. Unsere solide Geschichte, unser guter Ruf – Ausgangspunkte für viele weitere Jahre.

Was wünschen Sie sich für die BRAFA in den nächsten zehn Jahren?

Dass sie fortwährend ihre qualitativen Stärken ausbaut und noch internationaler wird sowie ihre Aussteller:innen konsequent hält. So sind die Sammler:innen mit ihren Erwerbungen auf der BRAFA zufrieden und kehren Jahr um Jahr zurück.


Die 10 Galerien aus der Schweiz die an der BRAFA 2023 dabei sind:

• AV Modern & Contemporary , Genf – Moderne und zeitgenössische Kunst
• Bailly Gallery , Genf – Moderne und zeitgenössische Kunst
• Cortesi Gallery Lugano,CH / Mailand IT – Moderne und zeitgenössische Kunst
• Galerie De Jonckheere , Genf – Alte Meister und moderne Kunst
• Galerie Grand-Rue Marie-Laure Rondeau , Genf – Kunst des 18. und 19. Jh.
• Opera Gallery , Genf – Moderne und zeitgenössische Kunst
• Repetto Gallery, Lugano CH/London UK, Italienische Nachkriegskunst, Arte Povera und Land Art
• Galerie Schifferli , Genf – Kunst des 20. Jh.
• Simon Studer Art Associés , Genf – Impressionismus, moderne und zeitgenössische Kunst
• Galerie Von Vertes, Zürich – Moderne und zeitgenössische Kunst

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