«Jonas Ulrich lässt uns durch die Augen einer jungen Frau in die Heavy-Metal-Subkultur eintauchen. Man spürt, dass er sein Milieu kennt. Ein sehr authentischer und gelungener Erstlingsfilm, der jene Abgründe einer Szene beleuchtet, wo sie ins Extreme kippt.» – Christian Jungen, ZFF
WOLVES – Erstlingsfilm über Gewalt, Maskulinität und Zugehörigkeit
Ein bemerkenswerter Debüt des Zürchers Jonas Ulrich, der es direkt in den Spielfilm Wettbewerb des Zurich Film Festivals geschafft hat.
WOLVES – Wenn Heavy Metal zur Lebensader wird
Die Zürcher Kita-Mitarbeiterin Luana lebt mit ihrer Mutter in Zürich. Nach wiederkehrenden Streits in der Familie sucht die lebenshungrige junge Frau einen Ausweg und wird kurzerhand Social-Media-Managerin der Black-Metal-Band ihres Cousins. Als sie sich in den Frontsänger verliebt, beginnt eine aufregende Zeit, in der sie immer tiefer in eine Szene eintaucht, deren wahres Gesicht sie erst noch kennenlernen wird. Der Erstlingsfilm des Zürcher Regisseurs Jonas Ulrich setzt sich authentisch und differenziert mit der Frage auseinander, wie schleichende Radikalisierung und Entfremdung entstehen. Gleichzeitig gibt er Einblick in eine gespaltene Musikszene, die von Vorurteilen belastet ist und einen internen Grabenkrieg austrägt. WOLVES taucht tief ein in die Heavy-Metal-Szene – nicht als exotische Randerscheinung, sondern als existenziellen Raum, in dem Gemeinschaft, Wut, Loyalität und Halt verhandelt werden.
Rituale, Rausch, Zusammenhalt
Was hier dröhnt, ist keine Pose. Der Film zeigt Heavy Metal als Gegenwelt, als Ort klarer Codes und unausgesprochener Regeln. In Proberäumen, auf stickigen Clubbühnen und im Gedränge vor der Stage entsteht ein soziales Gefüge, das auffängt, wenn andere Systeme versagen. Ullrichs Kamera bleibt nah an den Körpern, an Schweiss, Tattoos, Narben – Zeichen eines Lebens, das sich im Kollektiv behauptet. Die Konzerte sind keine Zwischenspiele, sie sind das Zentrum. Headbangen, Circle Pit, kollektives Schreien – Rituale, die nach aussen aggressiv wirken, im Innern aber strukturieren. WOLVES macht spürbar, wie diese Momente Ventil und Bindemittel zugleich sind. Wer hier dazugehört, gehört richtig dazu. Die Szene wird nicht romantisiert, aber ernst genommen – mit all ihrer Intensität, ihren Spannungen, ihrem Stolz.

Kameraarbeit mit Haltung
Formal überzeugt der Film durch eine Bildsprache, die den Sound fast körperlich übersetzt. Schnelle Schnitte wechseln mit ruhigen, beobachtenden Passagen. Der Bass scheint durch den Kinosaal zu laufen, ohne dass der Film je ins Musikvideo kippt. Ullrich vertraut der Präsenz seiner Protagonist:innen und der Wucht der Situation – das Ergebnis ist roh, direkt und glaubwürdig. WOLVES erzählt von Zugehörigkeit in einer Zeit der Vereinzelung. Heavy Metal erscheint hier als Lebensform, nicht als Stilfrage. Zwischen Extremen – Euphorie und Erschöpfung, Nähe und Eskapismus – zeichnet der Film das Porträt einer Szene, die Halt gibt, wo Sprache oft nicht mehr reicht.
Fazit
WOLVES ist kein Film über Heavy Metal, sondern aus ihm heraus gedacht. Ein intensiver Blick auf eine Subkultur, die laut ist, weil sie etwas zu sagen hat – und berührend, weil sie Menschen zusammenhält.


