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Kino | Avatar

Das neueste Werk von Titanic-Regisseur James Cameron entführt den Zuschauer auf einen spektakulär inszenierten Planeten – und erzählt nebenher eine mittelmäßige Story.

Synopsis: Bald ist die Erde am Ende – und die Menschheit muss auf ihrer Suche nach Rohstoffen auf andere Planeten ausweichen. Sie entdeckt Pandora, ein fruchtbares, unberührtes Paradies. Es ist die Heimat von Wesen mit blauer Haut und gelben Augen – ein Naturvolk voller Stolz und Tradition, die sich Na’vi nennen. Um mehr über diese Ureinwohner zu erfahren, entwickeln Wissenschaftler Klone von ihnen, die mental von Menschen ferngesteuert werden. Eine dieser Kopien wird gesteuert von Jake Sully, einem ehemaligen Marine-Soldaten, der im Rollstuhl sitzt. Sein Auftrag: wichtige Informationen für das Militär zu sammeln, welches die Na’vi aus ihrer ressourcenreichen Heimat vertreiben will. So integriert sich Sully in ihre Gemeinschaft, lernt ihre Bräuche und Sprache, wird letztlich zum Krieger ausgebildet. Doch mit jedem Tag wächst in ihm das Gefühl, ein Teil ihrer Gemeinschaft zu sein. Stars: Die Na’vi wirken so realistisch, dass man sie von der ersten Minute an nicht als Animationen, sondern als echte (schauspielernde) Wesen wahrnimmt. Das Niveau der Darsteller hingegen lässt zu wünschen übrig. Regie & Crew: James Cameron hat sich mit «Avatar» einen 15 Jahre alten Traum erfüllt, der aber erst mit heutiger Filmtechnik verwirklicht werden konnte. «Avatar» ist mit einem 300 Millionen Dollar Budget der teuerste Film aller Zeiten.

art-tv-Wertung: Wow. Der erste Eindruck des Films ist kaum in Worte zu fassen. Cameron hat hochkomplexe Animationsverfahren mit moderner 3D-Technologie verknüpft: Pandora wirkt so wundervoll detailreich, so realistisch, das man den rationalen Gedanken an eine Welt aus dem Computer rasch beiseite schiebt. Doch zugleich denkt man auch: was könnte mit dieser Technik möglich sein? Muss es eine solch ausgeleierte Gut-gegen-böse Kiste sein? Die Mischung ist irgendwie neu: die Idee der edlen Wilden aus Winnetou trifft auf die Kreaturen diverser Monsterstreifen, hinzu kommt modernste Waffen- und Robotertechnik á la Terminator sowie die Schlachtengetümmel der Fantasy-Epen. Doch der optische Detailreichtum hilft ja nichts, wenn die Charaktere unentwickelt bleiben. Ausserdem nervt der Film durch eine unglaubliche Naivität, indem er die Na’vi romantisch zu „guten Wilden“ verklärt, deren heimelig-kuschelige Gemeinschaft und religiöse Tradition durch die lauten Maschinen der bösen, unvernünftigen Menschen zerstört wird. Die weltverbesserische Warnung vor den Folgen der Naturzerstörung in allen Ehren, aber bei Cameron ist dies esoterischer Quatsch, ein belehrender Back-to-the-Roots Zeigefinger. Trotzdem: Kontext ignorieren, Gehirn aus – anschauen! Fazit: Bezüglich der technischen Umsetzung ein Meilenstein der Filmgeschichte. Deshalb trotz inhaltlichen und darstellerischen Mängeln unbedingt empfehlenswert.

Maximilian Haase

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