Kaum ein Ballett vereint Dramatik, Emotion und musikalische Wucht so kraftvoll wie Romeo und Julia. Mit Sergej Prokofjews ikonischer Partitur schuf das 20. Jahrhundert eines der intensivsten Tanzwerke überhaupt – voller orchestraler Energie, lyrischer Schönheit und düsterer Vorahnung. Nun verspricht Cathy Marston den Stoff am Opernhaus Zürich in einer neuen choreografischen Lesart auf die Bühne zu bringen. Eine Aufführung voller Schönheit, Schmerz und tragischer Wucht, eine zutiefst berührende Choreografie von ROMEO UND JULIA. Unvergesslich!
Wenn Liebe zur Rebellion wird
Sergej Prokofjew – Revolutionär zwischen Russland und Europa
Sergej Prokofjew wurde 1891 im heutigen Osten der Ukraine geboren und galt schon früh als musikalisches Wunderkind. Bereits als Jugendlicher studierte er am berühmten Konservatorium in St. Petersburg, wo er mit seiner kompromisslosen Modernität und seinem virtuosen Klavierspiel auffiel. Prokofjew liebte starke Kontraste: schroffe Rhythmen, unerwartete Harmonien und eine Musik, die gleichzeitig elegant und brutal wirken konnte.
Nach der Russischen Revolution verliess er seine Heimat und lebte unter anderem in Paris, London und den USA. Dort etablierte er sich als einer der wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Trotzdem kehrte er in den 1930er-Jahren in die Sowjetunion zurück – ein Schritt, der seine Karriere ebenso prägte wie belastete. Zwischen künstlerischem Anspruch und politischem Druck entstanden Werke, die heute zu den Meilensteinen der klassischen Musik zählen.
Mit Romeo und Julia schrieb Prokofjew zwischen 1935 und 1936 eines der bedeutendsten Ballette des 20. Jahrhunderts. Die Partitur galt zunächst als zu modern und wurde in der Sowjetunion zuerst skeptisch aufgenommen. Die Uraufführung fand 1938 darzn im tschechischen Brünn statt, ehe das Werk 1940 in Leningrad seinen internationalen Durchbruch feierte. Besonders der monumentale «Tanz der Ritter» machte das Ballett weltberühmt und zeigt exemplarisch, was Prokofjews Musik auszeichnet: orchestrale Wucht, emotionale Extreme und eine fühlbare filmische Bildkraft.
Prokofjews Klanggewitter trifft auf pure Emotion
Die Geschichte von Romeo und Julia gehört seit Jahrhunderten zu den grossen Liebestragödien der Weltliteratur. Doch erst Prokofjews Musik machte daraus ein Ballett von epochaler Kraft. Der russische Komponist schrieb die Partitur in den 1930er-Jahren – mit eruptiven Klangflächen, brutalen Rhythmen und einer Zartheit, die bis heute unter die Haut geht. Stücke wie der berühmte «Tanz der Ritter» wurden längst zu musikalischen Ikonen.
Genauso ergreifend ist die Geschichte selbst: Romeo und Julia zeigt zwei junge Menschen, die in einer verhärteten Gesellschaft um Freiheit kämpfen – und daran zerbrechen. Wer die Arbeit von Cathy Marston kennt, kann davon ausgehen, dass sich die Choreografin in ihrer Zürcher Inszenierung weniger für romantischen Kitsch als für die Dynamik von Macht, Familie und jugendlicher Radikalität interessiert.

REZENSION
Für arttv.ch gesehen haben das Ballett Georg Kling und Felix Schenker
Wenn Liebe zur Tragödie wird: Cathy Marstons ROMEO UND JULIA geht unter die Haut
Die Basis für dieses gelungene Ballett bildet die ungeheuer vielfältige, vom Orchester der Oper Zürich grossartig gespielte Musik von Sergei Prokofjew: manchmal wundervoll unbeschwert und romantisch, manchmal an die Filmmusik eines Hitchcock-Films erinnernd, manchmal mit atonalen Zügen – und doch immer mit der heraufziehenden Tragödie von ROMEO UND JULIA im Klang.
So fröhlich, leicht und bunt verliebt die Geschichte der Montagues und Capulets beginnt, so schnell kippen die Emotionen in Gewalt, Verzweiflung und Unausweichlichkeit. Die Farben verschwinden, der Tod kommt unerbittlich.
Die Geschichte wird nicht nur getanzt, sondern in Cathy Marstons Choreografie auch ausgesprochen vielfältig erzählt. Marston verbindet gekonnt klassischen Tanz mit modernem Tanztheater und lässt den Emotionen viel Raum. Die Kälte der Familie Capulet irritiert, unterstreicht aber gleichzeitig die starken Gefühle der Protagonist:innen. Das reisst mit und berührt.
Fazit:
Cathy Marston gelingt am Opernhaus Zürich ein intensiver, emotionaler und visuell eindringlicher Ballettabend, der Prokofjews monumentale Musik mit grosser erzählerischer Kraft verbindet. Eine Aufführung voller Schönheit, Schmerz und tragischer Wucht, eine zutiefst berührende Choreografie von ROMEO UND JULIA. Unvergesslich!



