Sergej Prokofjew – Revolutionär zwischen Russland und Europa
Sergej Prokofjew wurde 1891 im heutigen Osten der Ukraine geboren und galt schon früh als musikalisches Wunderkind. Bereits als Jugendlicher studierte er am berühmten Konservatorium in St. Petersburg, wo er mit seiner kompromisslosen Modernität und seinem virtuosen Klavierspiel auffiel. Prokofjew liebte starke Kontraste: schroffe Rhythmen, unerwartete Harmonien und eine Musik, die gleichzeitig elegant und brutal wirken konnte.
Nach der Russischen Revolution verliess er seine Heimat und lebte unter anderem in Paris, London und den USA. Dort etablierte er sich als einer der wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Trotzdem kehrte er in den 1930er-Jahren in die Sowjetunion zurück – ein Schritt, der seine Karriere ebenso prägte wie belastete. Zwischen künstlerischem Anspruch und politischem Druck entstanden Werke, die heute zu den Meilensteinen der klassischen Musik zählen.
Mit Romeo und Julia schrieb Prokofjew zwischen 1935 und 1936 eines der bedeutendsten Ballette des 20. Jahrhunderts. Die Partitur galt zunächst als zu modern und wurde in der Sowjetunion zuerst skeptisch aufgenommen. Die Uraufführung fand 1938 darzn im tschechischen Brünn statt, ehe das Werk 1940 in Leningrad seinen internationalen Durchbruch feierte. Besonders der monumentale «Tanz der Ritter» machte das Ballett weltberühmt und zeigt exemplarisch, was Prokofjews Musik auszeichnet: orchestrale Wucht, emotionale Extreme und eine fühlbare filmische Bildkraft.