Als MOULIN ROUGE! 2001 in die Kinos kam, war er ein ästhetischer Urknall. Baz Luhrmann sprengte Genregrenzen, mixte Operette mit MTV-Ästhetik und verwandelte eine tragische Liebesgeschichte in ein visuelles Feuerwerk. Die Bühnenfassung bleibt diesem Geist treu – und denkt ihn weiter. Riesige Dekorationen, das ikonische rote Mühlenrad und eine bis ins Detail durchkomponierte Szenerie lassen das Theater selbst zum Akteur werden. Ein Pflichttermin für Musicalfans.
Wenn das Theater 11 zum schillerndsten Nachtclub der Welt mutiert
- Publiziert am 5. Januar 2026
Moulin Rouge! The Musical bringt Baz Luhrmanns Filmrausch erstmals live auf eine Schweizer Bühne.
Liebe, Lust und Popgeschichte | Zum Stück
Im Zentrum steht die stürmische Liebe zwischen dem jungen Schriftsteller Christian und der schillernden Satine – eine Geschichte von Sehnsucht, Hingabe und der brutalen Kollision von Kunst und Kommerz. Erzählt wird sie mit einem eingängigen Soundtrack: Über 70 Songs aus mehr als 160 Jahren Popmusikgeschichte verschmelzen zu einem neuen musikalischen Kosmos. Offenbach trifft auf die Rolling Stones, Elvis auf Elton John, Queen auf Beyoncé, Adele auf Lady Gaga. Diese Songs sind keine Nummernrevue, sondern bilden den emotionaler Treibstoff der Geschichte. Sie treiben die Handlung voran, brechen Erwartungen und erzeugen jene Energie, für die Moulin Rouge! berühmt ist.

MOULIN ROUGE! THE MUSICAL | REZENSION
Für uns gesehen hat das Musical Alain Ziehbrunner
Von Liebe, Macht und Bohemians
Das preisgekrönte Broadway-Spektakel «Moulin Rouge! The Musical» gastiert erstmals in der Schweiz – und schon beim Betreten des Theater 11 wird klar: Dieser Abend will verführen. In rotes Licht getaucht, mit offener, opulent ausgestatteter Bühne, Elefant und Windmühle, verwandelt sich der Raum augenblicklich in den legendären Pariser Nachtclub. Die Erwartungen an die Premiere sind hoch – und sie werden erfüllt.
Eine grosse Liebe unter keinem guten Stern
Die Geschichte von Christian und Satine ist bekannt, doch sie bildet hier vor allem das emotionale Rückgrat eines Abends, der weniger durch Handlung als durch Atmosphäre, Musik und Überwältigungskraft trägt. Liebe, Macht, Abhängigkeit und Idealismus prallen aufeinander – und genau diese Kontraste verleihen dem Musical seine Spannung. Die romantische Tragik entfaltet sich konsequent, ohne je ins Sentimentale abzurutschen.
Vom preisgekrönten Film zum umjubelten Musical-Spektakel
Was im Film von Baz Luhrmann begann, funktioniert auf der Bühne erstaunlich eigenständig. Die Musicalfassung ehrt das Original, findet aber eine eigene Dynamik – schneller, direkter, körperlicher. Dass diese Produktion weltweit gefeiert wird, ist nachvollziehbar: Sie setzt nicht auf Nostalgie, sondern auf Aktualisierung und Überzeichnung, ohne den emotionalen Kern zu verlieren.
Rosinen-Picken in der Popgeschichte der letzten 160 Jahre
Musikalisch ist der Abend ein Rausch. Statt eines linearen Soundtracks entfaltet sich ein Kaleidoskop aus über 70 Songs – von Offenbach bis Lady Gaga. Die Übergänge sind verblüffend präzise, die Arrangements dramaturgisch klug gesetzt. Altbekanntes erscheint in neuem Zusammenhang, selbst Kenner:innen des Films werden immer wieder überrascht. Besonders schön: «Come What May» bleibt als einziger eigens für den Film geschriebener Song das emotionale Herzstück.
Ein atemberaubender Premieren-Abend der Superlative
Schon der Einstieg überrascht: Statt Cancan eröffnet «Voulez-vous coucher avec moi» lasziv die Welt des Moulin Rouge. Von da an gibt es kaum ein Innehalten. Bühne, Musik, Bewegung – alles ist auf Tempo, Verführung und Überfluss angelegt. Die englische Originalfassung erweist sich dabei als grosser Gewinn: Sprachliche Feinheiten, Ironie und emotionale Nuancen bleiben erhalten. Die berühmte Kirsche auf dem Sahnehäubchen.
Ein kochkarätiger Cast mit einem überstrahlenden Diamanten
Das Ensemble zeigt sich spielfreudig, stimmgewaltig und tänzerisch präzise. Jede Figur ist klar konturiert, jede Rolle trägt zum pulsierenden Gesamtbild bei. Nate Landskroner überzeugt als Christian mit grosser emotionaler Bandbreite – verletzlich, leidenschaftlich, glaubwürdig. Doch der Abend gehört Satine. Verity Thompson überstrahlt alles. Sie meistert nicht nur die grossen, kraftvollen Nummern, sondern berührt vor allem in den leisen Momenten. Ihr Spiel ist natürlich, vielschichtig und frei von Klischees. Der Wechsel vom Glamourstar zum verletzlichen Menschen gelingt mühelos. Satine ist der Star des Moulin Rouge – und Verity Thompson der funkelnde Stern dieses Abends.
Diese Inszenierung ist berauschend, sexy, glamourös – und handwerklich auf Weltniveau. Ein Premierenabend, der mitreisst, überrascht und lange nachhallt.
Ein Pflichttermin für Musicalfans.



