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Theater Basel | Spieler

Christiane Pole vereint Dostojewskis Texte aus "der Spieler" und "ein grüner Junge" zu einer Innen- und Aussenansicht der Orientierungslosigkeit.

Morgen, morgen nimmt alles ein Ende – Diesen Satz schreibt Dostojewski ans Ende seines frühen Romans mit dem Titel «Der Spieler».

Aussprechen lässt ihn der russische Schriftsteller seine Hauptfigur Alexej, einen jungen Mann, der sich aus ungebremster Leidenschaft zu einer finanziell abgebrannten Frau an den Roulettetisch setzt, sehr viel Geld gewinnt und schließlich alles verliert: seine große Liebe, seine bourgeoisen Lebensumstände, seine Träume, seine Selbstbestimmtheit. Gerade noch war das Leben ein großes, verheissungsvolles Versprechen, und nur wenige Monate später ist aus dem jungen und hoffnungsfrohen Alexeij ein Spieler geworden, abhängig von den unkontrollierbaren Gesetzmässigkeiten des Rouletts, einsam und rettungslos verloren in den unendlichen Weiten möglicher Zahlenkombinationen zwischen Zero und 36.

Morgen, morgen nimmt alles ein Ende, hofft Alexeij, und ahnt gleichzeitig, dass es anders kommen wird. An diesem Punkt jedoch endet Dostojewskis Roman und mit ihm alle Hinweise auf den weiteren Lebensweg des Romanhelden. Doch ist das «Rien ne va plus» wirklich endgültig? Oder gibt es für Alexeij einen Weg hinaus aus dem Casino, zurück in ein selbstbestimmtes Leben? Dostojewski, der in seinem Roman eine autobiografische Episode ungehemmter Spielsucht literarisch verarbeitet, hat es geschafft.

Und so erscheint es reizvoll, dass die Regisseurin Christiane Pohle im zweiten Teil ihres «SPIELER»-Projektes den Lebensweg Alexejs anhand eines späten Romans des russischen Autors weiterzuspinnen versucht. Der Spieler ist alt geworden und trifft auf seinen Sohn Arkadi, den er viele Jahre nicht gesehen hat. Diese Begegnung wird zur grossen Lebensbeichte des Vaters. Eine Beichte, die viel mehr enthält als ein Bekenntnis zur Schuld und die Bitte nach Vergebung. Es ist eine philosophische Erzählung über Herkunft, Familie, Freiheit und Utopie, die den Sohn erkennen lässt, dass «richtig» und «falsch» fragwürdige Kategorien sind, und dass der Verlust jugendlicher Naivität mit der Herausforderung verbunden scheint, sich mit aller Kraft dem Unmöglichen hinzugeben.

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