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Theater Basel | Ich werde ...

Was wäre, wenn Lenin 1917 die Schweiz nicht verlassen, sondern sie zum Ausgangspunkt seines Sowjetstaates gemacht hätte? Wenn der Siegeszug des Bolschewismus von der Schweiz ausgegangen wäre? Das Theater Basel zeigt in "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" eine mögliche Antwort.

In seinem neuen Roman wagt Christian Kracht den Gegenentwurf, wagt einen antihistorischen Fantasy-Roman über die Schweiz.

«Es gab keinen Gott. Wir wurden im Krieg geboren, und im Krieg würden wir sterben», sagt Krachts Hauptfigur. Er ist ein ostafrikanischer Politkommissär, Söldner in der Schweiz, die Grundsätze einer uns noch entfernt vertraut klingenden helvetischen Moral hat er im kolonialisierten Heimatland von der Pike auf gelernt, verinnerlicht. In dieser kruden kriegsversehrten Schweizer Welt, in die er geschickt wird, stösst er nur noch auf Reste davon. Abgewrackte Slogans von Gleichheit und Brüderlichkeit. Dem afrikanischen Söldner sind sie geläufiger als den schlichten eingeborenen Soldaten, die nach nichts mehr suchen hinter dem Krieg, weil sie Frieden nicht einmal mehr denken können.

Bis hinein ins Schweizer Herz, ins unterirdische Tunnelsystem des Réduit, verfolgt der afrikanische Kommissär gemäss einem rätselhaften Auftrag einen noch rätselhafteren Spion Brazhinsky. Und noch merkwürdiger als draussen geht es unter den Alpen zu: Dort hat sich etwas verselbstständigt – der Gang ins Réduit gleicht einem Drogentrip. Doch dann wird Krachts Protagonist aus dem Schweizer Boden wieder ausgespuckt und es zieht ihn mit Teufelsgewalt zurück auf seinen Kontinent. Und indem er die Schuhe abstreift, ist er schon beinahe dort. In Afrika. Vielleicht findet er da die verlorene Schweiz.

Christian Kracht, bekannt geworden mit seinem Debüt-Roman «Faserland», ist in der Schweiz geboren und in den USA, in Kanada und in Südfrankreich aufgewachsen.
Sein Roman «1979» wurde am Schauspielhaus Bochum für das Theater adaptiert und vom Schauspielhaus Zürich übernommen.

Corinna von Rad studierte in Hamburg Musiktheaterregie. Während mehrerer Jahre machte sie Assistenzen und Regie-Mitarbeit bei Christoph Marthaler.
Als Regisseurin für Schauspiel und Oper arbeitete sie u.a. am schauspielfrankfurt, an der Staatsoper Berlin, am Zürcher Neumarkttheater und am Theater Aachen.

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