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Theater Basel | Die Räuber

Wer sind die grösseren Räuber? Die Banker und Kapitalisten oder die Gesetzesfreien, Piraten und Vaganten? Simon Solberg inszeniert Schillers „Die Räuber“ und wünschte sich mehr Rebellen wie Karl in unserer Gesellschaft.

Das Stück ist in Zeiten der Finanzkrise aktueller denn je. Wer hat hier überhaupt Recht, wer Unrecht? Was muss und darf man für die eigene Freiheit tun? Schillers «Räuber» ist in seiner Frage nach der Grenze menschlicher Radikalität so direkt wie kaum ein anderes Theaterstück. Franz Moor, der seinen Vater ermordet und seinen Bruder verrät, um Graf zu werden, ist nicht weniger ein Räuber als Karl Moor, der Priester und Minister demütigt, Kirchen und Städte brandschatzt und auch gegen die Übermacht von 17000 Soldaten nicht kapituliert – lieber lässt er sich von Kugeln durchsieben. Der junge Regisseur Simon Solberg (geb. 1979) inszeniert ein modernes Spektakel auf drei Bühnenétagen, mit Lifevideoprojektionen, Showeinlagen und unzähligen Requisiten.

Friedrich Schiller schrieb „Die Räuber“ als er 18 Jahre alt war. Sein erstes Schauspiel sprengt die Grenzen des Dramas – wie er selbst in seiner nicht veröffentlichten Vorrede schrieb – sowohl formal als auch inhaltlich. Weswegen es „von der Bühne verbannet“ sei. In der Uraufführung versuchte der Theaterdirektor Dalberg das Theaterstück zu entschärfen, indem er es – gegen den Willen Schillers – 300 Jahre in die Vergangenheit verlegte. Der Versuch misslang. Es gab Ohnmachtsanfälle und grossen Jubel. Und Schiller landete 14 Tage im Gefängnis. Nach der Uraufführung kam es zu Gründungen zahlreicher Räuberbanden.

Simon Solberg war Hausregisseur am Nationaltheater Mannheim. 2007 entstand in Frankfurt seine Inszenierung «Don Quichote», mit der er auf dem Festival «Radikal Jung» in München den Kritikerpreis gewann. In der vergangenen Spielzeit inszenierte Solberg «Lilja-4-ever» nach einem Film von Lukas Moodysson in Mannheim, Goethes «Faust» am Volkstheater München, «Leaving Marzahn» am Maxim Gorki Theater Berlin sowie «Der Grimm-Code – Ein urbaner Märchen-Thriller» am schauspielfrankfurt.

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