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See-Burgtheater Kreuzlingen | Arsen und Spitzenhäubchen

Und was wenn es nach dem Tod schöner ist als hier? Eine schwarze Komödie von Joseph Kesselring.

Der Theaterkritiker Mortimer Brewster muss kurz nach seiner Hochzeit feststellen, dass seine beiden Tanten – zwei liebenswerte ältere Damen, im wahrsten Sinne des Wortes einige Leichen im Keller haben.

Arsen und Spitzenhäubchen
Die hilfsbereiten Schwestern Abby und Martha Brewster vergiften einsame ältere Herren, die bei ihnen Unterkunft suchen, um sie von ihrem «Leiden» zu erlösen. Ihr Neffe Teddy, der sich für den amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt hält, begräbt die Leichen im Keller. Alles läuft glatt, bis ihr Neffe Mortimer dem mörderischen Treiben auf die Spur kommt. Um seine Tanten zu schützen, versucht er die Morde seinem unzurechnungsfähigen Bruder anzuhängen und diesen in ein Heim einweisen zu lassen. Als auch noch Mortimers Bruder Jonathan, ein polizeilich gesuchter Serienmörder, auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse. Mortimer entgleitet das Krisenmanagement zusehends, weil Jonathan auch ihn zur Strecke zu bringen versucht. Während sich der Aberwitz immer weiter steigert, werden hinter den bürgerlichen Fassaden erschreckende Abgründe sichtbar.

Inspiriert durch die Amy Archer-Gilligan Morde
Das Stück ist ein Evergreen schwarzen Humors, angereichert mit pointierten Dialogen voll makabrem Witz und Phantasie, wobei aus dem Gegensatz zwischen bürgerlicher Behaglichkeit und nacktem Entsetzen köstliche Effekte erzielt werden. Joseph Kesselrings Komödie spielt nicht nur erfolgreich mit verschiedensten Genres, sie zeigt auch das angeblich so moralische und ordentliche Bürgertum am morbiden Abgrund seines Wahnwitzes.

Gesellschaftskritik
Eine pikante Aktualität ergibt sich, wenn man an den derzeitigen amerikanischen Präsidenten denkt, dessen eigentümliches, den Rest der Welt befremdendes Benehmen so viele Vorlagen für die Gestaltung eines geisteskranken Mannes hergibt. Im Stück heisst es: «Ein Glück, dass er sich für den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hält, er hätte es ja auch schlimmer treffen können». Ein Donald-Trump-Vorgänger hätte übrigens ­beinahe in der berühmt gewordenen Ver­filmung 1944 mitgewirkt – der Schauspieler und spätere US-Präsident Ronald Reagan sollte den Theaterkritiker Mortimer spielen. Am Ende übernahm Cary Grant die Rolle.

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