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Schauspielhaus Zürich l Die Glasmenagerie

Samir inszeniert am Schauspielhaus Zürich den Klassiker von Tennessee Williams "Die Glasmenagerie", ein Stück mit viel Potential und phantastischen Schauspielern.

Welches Gewicht haben Träume? Sind sie hinfälliger oder stärker als wir selbst? Die Familie Wingfield, oder besser: das, was von ihr übrig ist, ist eine Gemeinschaft von Verlierern. Mutter Amanda erhielt von ihrem Mann einst eine Postkarte mit dem knappen Text: «Hallo! Leb wohl!» und lebt seitdem nur noch in ihren Erinnerungen – den Erinnerungen einer besseren Jugend. Ihre hübsche, aber leicht behinderte Tochter Laura hat sich aus der äusseren, sozialen Welt zurückgezogen und widmet sich stattdessen mit Hingabe einer Sammlung von Glastieren. Und ihr Bruder Tom bringt die Familie mit stupider Lagerarbeit durch, verbringt die Nächte ausser Haus, säuft, geht ins Kino und träumt davon, ein Schriftsteller zu sein. Weil jeder von den anderen gehindert wird, das Leben, das er gerne führen will, zu leben, leben sie in ihren Träumen. Als Tom eines Tages seinen Kollegen Jim mitbringt, bricht für einen kurzen, heissen Abend eine andere Wirklichkeit ein. Die unterschiedlichen Begehrlichkeiten der drei Wingfields heften sich an den attraktiven jungen Mann, der für jene Utopie steht, von der alle drei schon so lange ausgeschlossen sind: den amerikanischen Traum. Mutter Amanda arrangiert ein peinlich übertriebenes Abendessen für Jim. Und bei einem unschuldigen Tänzchen zwischen Jim und Laura zerbricht Jim aus Unachtsamkeit das gläserne Einhorn, das Laura so teuer ist.

Ein Drama über Ausgesteuerte und Abgehängte, das trotzdem eine ganze Gesellschaft abbildet. Ein Drama über Träume, die zu Ideologien werden, über Lügen, die die überlebten Lebensformen konservieren helfen und die Schwachen ins Gefängnis ihrer Träume bannen. Am Ende bricht Tom Wingfield aus diesem Gefängnis aus, um Schriftsteller zu werden. Für Tennessee Williams war «Die Glasmenagerie» der Druchbruch als Dramatiker.

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