Tanz
Der ukrainische Tänzer Vsevolod Maievskyi und die russische Choreographin Alena Tarasova gemeinsam auf der Bühne mit ihrem Stück «Exil».

Origen Festival Cultural | Exil

Mit der Uraufführung des Tanzabends «Exil» schafft Origen Raum für die künstlerische Auseinandersetzung mit den Folgen des Krieges in Europa.

Der ukrainische Tänzer Vsevolod Maievskyi und die russische Choreographin Alena Tarasova erzählen von ihrer Freundschaft, von den Erfahrungen des Krieges, vom gemeinsamen Exil, vom grossen Heimweh nach der Bühne. Die rätoromanische Sängerin Astrid Alexandre begleitet den Abend mit rätoromanischen Liedern, die von Emigration und von Heimweh erzählen. Die Vorstellungen finden in Origens Wintertheater in Riom statt.

Leben, Tanz und Freundschaft

Sie sind Freunde. Sie kennen sich seit Jahren. Sie tanzen auf den gleichen Bühnen. Sie haben gemeinsam Choreographien entwickelt, Werbefilme gedreht, mit Kunst experimentiert. Sie wohnen in der gleichen Millionenstadt, haben die gleichen Freunde, lieben beide das Theater. Sie sind Freunde. Alena ist Russin, Vsevolod Ukrainer. Beide lebten sie in St. Petersburg. Dann kam der Krieg. Alena, die Kriegsgegnerin, ist in den Westen geflohen, aus Angst vor Repressalien, als Auflehnung gegen Putins Krieg. Sie irrt durch Europa, ringt um die wenigen Visumstage, darf kein Bankkonto eröffnen, sucht eine Stelle im Westen. Er, der Spitzentänzer, hat das geliebte Mariinsky-Theater verlassen, gastiert in Rom und Dresden, gibt eine Gala in den Staaten, reist zurück nach Riom.

Ohnmacht des Exils

Im Dorf Riom, in den Bergen, entwerfen die beiden ein neues Werk. Das Thema ist ihre Freundschaft in Krisenzeiten. Die Erfahrung des Krieges. Die Ohnmacht des Exils. Die künstlerische Arbeit hilft, die Krise zu bewältigen. Origen zeigt die neue Choreographie ausserhalb des Spielplans, denn die ausgestellten Visa reichen nicht bis zum Sommer. Intendant Giovanni Netzer: «Alena Tarasovas Werk ist kein grosses, abendfüllendes Epos, sondern ein schlichtes Projekt für zwei Tänzer im Exil. Es ist wichtig, dass die Kunst das Weltgeschehen reflektiert. Es geht um künstlerische Arbeit, um Deutung der Welt, um den kreativen Prozess, der Hoffnung auf Wandel erlaubt. Die Sängerin Astrid Alexandre gibt dem Abend einen rätoromanischen Rahmen und steuert Lieder bei, die von der Einsamkeit in der Fremde, vom Verlust der Heimat erzählen – auf der Suche nach Verortung in unserer eigenen Geschichte.»

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