Mit «Mamma Mia!» wurden aus den ABBA-Songs eine weltweite Musical-Erfolgsgeschichte – und nun bringt MAAG Moments die Mundartfassung zurück nach Zürich. Bis zum 14. Juni 2026 wird gesungen, getanzt und geliebt – mit viel Dialekt, Spielfreude und erstaunlich wenig Nostalgiekitsch. Eine durch und durch gelungene Produktion, einmal mehr auch dank der Regiearbeit von Dominik Flaschka und einer grossartigen Sandra Studer.
«Mamma Mia! - Das Musical» ist zurück in der Schweiz – auf Schweizerdeutsch
- Publiziert am 10. Mai 2026
arttv Eventbesprechung von Alain Ziehbrunner
65 Millionen Zuschauer:innen
«MAMMA MIA ist ein Musical, von dem wir gar nicht wussten, dass wir es geschrieben haben!» – dieser Satz von Björn Ulvaeus ist längst legendär. Tatsächlich standen die beiden ABBA-Macher der Idee eines Musicals mit ihren Songs zunächst skeptisch gegenüber. Zu gross war die Angst vor einer beliebigen Revue voller Glitzer und Schlaghosen-Romantik. Doch Autorin Catherine Johnson gelang etwas Eigenständiges: Sie nahm die Originaltexte der ABBA-Songs ernst und verwob sie geschickt mit einer neuen Geschichte. So entstand ein Musical, das seit seiner Uraufführung 1999 in London weltweit über 65 Millionen Zuschauer:innen begeistert hat – in zahlreichen Sprachversionen und hunderten Städten.
Zwischen Inselromantik und Familiendrama
Die Handlung ist schnell erzählt: Donna lebt mit ihrer Tochter Sophie auf einer griechischen Insel. Kurz vor ihrer Hochzeit möchte Sophie endlich herausfinden, wer ihr Vater ist. Heimlich lädt sie drei Männer aus Donnas Vergangenheit ein – Sam, Bill und Harry. Was folgt, sind emotionale Verwicklungen, Missverständnisse und natürlich jede Menge Musik. Dass die Geschichte trotz bekannter Dramaturgie funktioniert, liegt vor allem an dieser Zürcher Produktion. Die Schweizerdeutsch-Fassung bringt einen eigenen Rhythmus in die Dialoge und sorgt immer wieder für ehrliche Lacher, ohne sich auf einfache Pointen zu verlassen.
Ein Ensemble mit sichtbarer Spielfreude
Was in der MAAG Halle auf die Bühne kommt, wirkt erstaunlich eingespielt. Die Produktion setzt weniger auf einzelne Star-Momente als auf das Zusammenspiel des gesamten Ensembles – genau das macht den Abend so unterhaltsam. Sandra Studer trägt die Rolle der Donna mit grosser Bühnenpräsenz und beeindruckender Natürlichkeit. Mühelos wechselt sie zwischen verletzlicher Nachdenklichkeit und energiegeladener Show. Patricia Hodell bringt als Tanya genau die richtige Mischung aus Glamour, Ironie und Selbstironie mit. Und Gigi Moto sorgt als Rosie immer wieder für humorvolle Höhepunkte – insbesondere dann, wenn sie ihre soulige Stimme ausspielen darf. Auch Judith von Orelli überzeugt als Sophie mit klarer Stimme und erfrischender Leichtigkeit. Die drei möglichen Väter, gespielt von Nathanael Schaer, Eric Hättenschwiler und Diego Valsecchi, ergänzen sich hervorragend. Ihre unterschiedlichen Dialekte werden geschickt als humorvolles Stilmittel eingesetzt, ohne jemals zur blossen Nummernrevue zu verkommen.
Schweizerdeutsch als echte Stärke
Besonders spannend ist, wie selbstverständlich die Mundartfassung funktioniert. Die Übersetzung von Dialogen und Songtexten stammt von Eric Hättenschwiler, Dominik Flaschka und Roman Riklin. Ihnen gelingt das Kunststück, den typischen ABBA-Klang beizubehalten und gleichzeitig eine eigenständige schweizerische Theaterfassung zu schaffen. Dass verschiedene Dialekte integriert werden – von Berndeutsch bis Walliserdeutsch –, verleiht der Produktion zusätzliche Farbe und Charakter. Dabei wirkt nichts bemüht originell; vielmehr unterstützt die Sprache die Figuren und ihre Eigenheiten.
Dynamische Choreografien und stimmige Bilder
Regisseur Dominik Flaschka inszeniert «Mamma Mia!» mit sicherem Gespür für Tempo und Timing. Die Choreografien von Jonathan Huor und Rachele Pedrocchi nutzen den Raum optimal und sorgen dafür, dass auch grosse Ensemble-Nummern lebendig bleiben. Besonders bei «Dancing Queen» oder «Under Attack» entstehen eindrückliche Momente, die das Publikum sichtbar mitreissen. Das Bühnenbild von Stephan Prattes erweitert die eher schlichte Ästhetik der Originalproduktion sinnvoll. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln entstehen immer wieder neue Räume und überraschende Perspektiven.
Fazit: Mehr Herz als Nostalgie
Die Zürcher Produktion zeigt eindrücklich, weshalb «Mamma Mia!» weit mehr ist als eine Hitparade mit Kostümwechseln. Zwischen all den bekannten Songs steckt eine warmherzige Geschichte über Familie, vergangene Entscheidungen und die Suche nach der eigenen Identität. Gerade deshalb funktioniert das Musical auch 2026 noch erstaunlich gut: weil es sich selbst nicht zu ernst nimmt – sein Publikum aber durchaus.

