Aus Armut, Rassentrennung und Gewalt kämpfte sich Tina Turner an die Weltspitze der Pop- und Rockmusik — und wurde zur Ikone einer ganzen Epoche. Das Musical zeichnet diesen aussergewöhnlichen Lebensweg nach: vom Mädchen aus Tennessee zur «Queen of Rock ’n’ Roll», deren Stimme und Energie Millionen Menschen bewegten.
Kleine Frau, ganz gross! - Ein musikalisches Denkmal für Tina Turner
- Publiziert am 21. März 2026
Das international gefeierte Musical «TINA – Das Tina Turner Musical» kommt erstmals in die Schweiz:
Von Anna Mae zur Tina Turner
Die spätere Gesangs-Diva wurde als Anna Mae Bullock im Osten des US-Bundesstaates Tennessee geboren. Brownsville, eine Ortschaft mit heute rund 10’000 Einwohnern, war im November 1939 von strikter Rassentrennung geprägt — für Afroamerikaner befand sich die Geburtsabteilung im Untergeschoss des Krankenhauses. Erste musikalische Erfahrungen sammelte Anna Mae im Kirchenchor; ihr Vater war Diakon der baptistischen Kirche von Nutbush, wo sie aufwuchs. Nach der Trennung der Eltern lebte sie bis zu ihrem sechzehnten Lebensjahr bei ihrer Grossmutter in ärmlichsten Verhältnissen, bevor sie zu Mutter und Schwester nach St. Louis zog.
Aufstieg mit Ike Turner — und der Preis des Erfolgs
Dort lernte sie 1960 Ike Turner kennen, der sie zunächst als Backgroundsängerin engagierte. Als sie bei den Aufnahmen von «A Fool in Love» kurzfristig für einen erkrankten Sänger einsprang, wurde der Song überraschend erfolgreich — und Anna Mae über Nacht zur Solistin. Aus Marketinggründen erhielt sie den Künstlernamen «Tina», die Band hiess fortan «Ike & Tina». Das Paar war auch privat liiert, tourte durch die USA, Europa und Australien und heiratete 1962 in Tijuana.
Erfolge wie «River Deep – Mountain High» oder «Nutbush City Limits» folgten, doch hinter den Kulissen eskalierte die Beziehung zunehmend. Häusliche Gewalt und Misshandlungen führten schliesslich zur Flucht aus der Ehe. 1978 liess sich Tina Turner scheiden — finanziell dank Songrechten abgesichert, künstlerisch jedoch zunächst ohne Perspektive.
Triumphales Comeback und Weltruhm
Mit Manager Roger Davies gelang Anfang der 1980er-Jahre die spektakuläre Rückkehr. Unterstützt von Grössen wie Rod Stewart, David Bowie oder den Rolling Stones erhielt sie nach einem überraschenden Erfolg in Norwegen erneut einen Plattenvertrag. Mit Hits wie «Let’s Stay Together», «Private Dancer» und «What’s Love Got to Do with It» wurde sie endgültig zur globalen Legende. Welttourneen, Chart-Erfolge und zahlreiche Auszeichnungen festigten ihren Status als eine der grössten Bühnenpersönlichkeiten der Musikgeschichte.
Ein neues Leben in der Schweiz
Nach rund fünf Jahrzehnten im Rampenlicht zog sich Tina Turner aus dem Rockgeschäft zurück und widmete sich zunehmend spiritueller Musik. Privat lebte sie zurückgezogen in Küsnacht am Zürichsee, liess sich 2013 einbürgern und heiratete im selben Jahr ihren langjährigen Partner, den Musikmanager Erwin Bach. 2023 verstarb sie an ihrem Wohnort — als Künstlerin, die nicht nur Musikgeschichte schrieb, sondern auch für Selbstbestimmung und Stärke stand.
Vom Leben auf die Bühne
Tina Turner autorisierte das Musical persönlich, das im April 2018 in London Weltpremiere feierte. Als sogenanntes Jukebox-Musical erzählt es ihre Geschichte ausschliesslich mit ihren grössten Hits und porträtiert eine Frau, die Grenzen von Alter, Geschlecht und Hautfarbe sprengte. Regie führte Phyllida Lloyd, das Buch stammt von der Pulitzer- und Olivier-Preisträgerin Katori Hall in Zusammenarbeit mit Frank Ketelaar und Kees Prins. Für Choreografie sowie Bühnen- und Kostümbild zeichnen Anthony van Laast und Mark Thompson verantwortlich.
Eine Erfolgsgeschichte rund um den Globus
Seit der Premiere im Aldwych Theatre begeistert die Produktion weltweit — am Broadway ebenso wie in Europa, Australien und Nordamerika. Die erste UK- und Irland-Tournee, gestartet im März 2025, bringt die englische Originalversion nun auch nach Zürich.
Produzentin Tali Pelman betont die besondere Bedeutung dieser Rückkehr: Zürich sei jener Ort gewesen, an dem die ersten kreativen Gespräche und Ideen entstanden, aus denen schliesslich diese aussergewöhnliche Bühnenproduktion hervorging — ein Kreis, der sich nun schliesst.




