Deep Voices verwebt die realen Tagebuchaufzeichnungen einer jungen Frau aus Gaza mit künstlerischer Performance und lädt das Publikum im Kulturmarkt Zürich ein, zwischen Nähe und Distanz, Zeugnis und Reflexion die Stimmen des Krieges zu hören und zu verstehen.
Deep Voices: Die Sprache des Krieges auf der Bühne
Ein intimes Dokumentartheater über Flucht, Erinnerung und universelle Menschlichkeit, basierend auf Tagebüchern aus Gaza.
Vom Tagebuch zur Bühne
Im Zentrum des Abends stehen die Texte einer jungen Frau aus dem Gazastreifen, deren Alltag sich von einem Moment auf den anderen in Ausnahmezustand verwandelt. Aus beiläufigen Notizen – vom Tee am Morgen, vom Blick aus dem Fenster, von kleinen familiären Routinen – wird ein Protokoll der Erschütterung. Die Schauspielerin und Autorin Tahani Salim macht aus diesen Aufzeichnungen kein pathetisches Statement, sondern eine präzise gesetzte Bühnenrede. Das Stück arbeitet mit Reduktion statt mit Effekten. Sprache wird zum zentralen Träger der Erinnerung, der Körper zur Projektionsfläche für Angst, Hoffnung und Trotz. Gerade diese formale Zurückhaltung verstärkt die Wirkung: Das Publikum hört zu, ohne visuell überwältigt zu werden. DEEP VOICES ist weniger Anklage als Zeugnis – und vertraut darauf, dass die Worte selbst tragen.
Intimität, Distanz und kollektive Verantwortung
Auffällig ist die sprachliche Entscheidung: Gespielt wird auf Arabisch, mit deutschen und englischen Übertiteln. Dadurch bleibt der Ursprung der Stimme erhalten, während zugleich ein Raum der Verständigung entsteht. Die Distanz der Übersetzung macht das Gesagte nicht schwächer, sondern bewusster – jedes Wort wird abgewogen, jede Pause spürbar. Im Kontext des Kulturmarkt Zürich, der sich seit Jahren als Ort für gesellschaftlich relevante Produktionen versteht, entfaltet das Stück zusätzliche Resonanz. Hier geht es nicht um schnelle Aktualität, sondern um die Frage, wie Theater auf reale Ereignisse reagieren kann, ohne sie zu vereinnahmen. DEEP VOICES stellt keine einfachen Antworten bereit. Es insistiert auf Zuhören – und auf der Erkenntnis, dass hinter politischen Schlagzeilen konkrete Biografien stehen. In seiner stillen Konzentration entwickelt der Abend eine Kraft, die lange nachwirkt.
