Theater

Das Glauser Quintett erzählt die wahre Geschichte der ‹Titanic› vom Walensee

Sie verarbeiten die Buchvorlage «Der Untergang des Delphin» zu einer gewitzten Mischung aus Literatur und Musik.

Auch in ihrer siebten Produktion bleibt das Ensemble den Schweizer Autor:innen treu und bringt Emil Zopfis neuen Roman «Der Untergang des Delphin» auf die Bühne. Er ist eine Art «Doku-Fiction» und schildert ein Schiffsunglück auf dem Walensee in einer stürmischen Dezembernacht des Jahres 1850 sowie die anschliessende Bergung des Wracks. Im Zentrum der Geschichte stehen jene Menschen, die damals auf dem Schiff waren und mit ihm untergingen.

«Nehmt euch in Acht heut Nacht, habe ich zu den Schiffern gesagt. Aber auf mich hört ja niemand …»

Das Glauser Quintett wurde 2010 gegründet und bringt literarische Konzerte nach Texten von Schweizer Autoren auf die Bühne. Text und Musik stehen dabei in einem dialogischen Austausch, durchdringen sich gegenseitig und werden untrennbar ineinander verwoben.

Literatur trifft auf Musik

Daniel R. Schneider hat zum Stück «Der Untergang des Delphin» von Emil Zopfi einen eigenständigen Soundtrack für zwei Multi-Instrumentalisten komponiert. Die Musik wirkt als Gegenpol zum Text, verleiht den beschriebenen Figuren zusätzliche emotionale Dimensionen und treibt das Unglücksschiff unerbittlich voran. In die Katastrophe.

Zusammenfassung der Handlung

Der Untergang des Dampfers «Delphin» hat sich tief in die Erinnerung der Bewohner rund um den Walensee eingeprägt. Die Umstände der Katastrophe und das Schicksal der Menschen, die ihr zum Opfer fielen, ist von Dramatik kaum zu überbieten. Die wahren und überlieferten Lebensgeschichten der Mannschaft und der Passagiere stehen im Zentrum des historischen Romans, der das Geschehen bis zur Bergung des Wracks und einer nationalen Hilfsaktion literarisch nachzeichnet. In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1850 sank in einem Sturm auf dem Walensee der Dampfer «Delphin» mit dreizehn Menschen an Bord. Der Nachtkurs des Postschiffs war Teil einer bedeutenden europäischen Handelsroute, einer «Seidenstrasse» zwischen den Zentren der Seidenindustrie in der Lombardei, Zürich und Süddeutschland. Der Roman schildert das dramatische Geschehen auf Grund von Dokumenten, Untersuchungsakten, Zeitungsberichten und Überlieferungen. Im Zentrum stehen die Menschen, die das Schicksal auf dem Schiff zusammengeführt hat, ihr Leben, ihre Träume, Hoffnungen und Ängste. Nebst der Mannschaft waren zwei Seidenindustrielle aus der Lombardei, die Gattin eines Bündner Grubenmeisters, ein Glarner Viehhändler und ein Toggenburger Schirmflicker mit seinem Sohn an Bord. Ihre Lebensgeschichten fügen sich zu einem Zeitbild des politischen und wirtschaftlichen Aufbruchs mit der rasch fortschreitenden Industrialisierung und Mobilität nach der Gründung des Schweizer Bundesstaats.

Emil Zopfi (*1943) studierte Elektrotechnik und arbeitete als Informatiker in der Industrie. Seit 1977 schrieb er mehrere Romane, Berg- und Sachbücher, Kinderbücher, Hörspiele, Reportagen und Kolumnen. Für seine Werke erhielt er Preise, u.a. von Stadt und Kanton Zürich, der Schweizer Schillerstiftung, die Kulturpreise des Kantons Glarus, des Sarganserlandes, des Schweizer Alpen-Clubs, sowie den King Albert I Mountain Award. Er ist Glarner Bürger und lebt in Zürich.

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