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© Anna Nydegger

X Schneeberger | Neon Pink & Blue

Geschichten zu in Frage gestellter Identität und schwer belegbarer Herkunft drängen sich ins untergehende Postkartenbild des Alpenpanoramas.

In «Neon Pink & Blue» findet sich eine Drag Queen in einem Klimasommer obdach- und papierlos am Zürisee wieder. Ohne Garderobe out the closet, ohne Badezimmerspiegel und Kostüme ergreift X ein Gefühl der Nacktheit.

Christoph Schneeberger tanzte unter verschiedenen Namen auf vielen Hochzeiten. Die über Jahre an den Morgen danach entstandenen Texte aus dem Untergrund der Raves, aus dem Leben als politischer Aktivist und Drag Queen flossen in seinen ersten Roman «Neon Pink & Blue» ein.

Leseprobe
«Man tanzte in der Stadt, als ginge es ums Leben. Und genau darum sei es gegangen. Kind eher künstlicher, denn natürlicher Gestalt, eine Rückgratverkrümmung mechanisch korrigiert im weichen Säuglingsknochen; sozusagen ein aufrechtes Menschlein aus Lehm, Knätt in anderen Händen. Un, deux, trois. Ein Kunststückli. Betäubungsmittel habe es derzeit keine gegeben für Säuglinge – in der Erinnerung sei diese Zeit wüst und leer. Manipulationen am lebenden Objekt seien notwendig, gar existenziell gewesen, sonst wären richtig gehen und richtig stehen, richtig liegen und richtig sitzen unmöglich vor lauter Verdrehtheit. Man tanzte aber. Um sein Leben… Vom krummen Rückgrat sei ein krummer Phantomschmerz geblieben, den man nur tief schlafend oder lange tanzend nicht empfunden.»

Stimmen
«Dieser Roman ist eine Zumutung, keine Frage, er stellt sich quer zu gängigen Lesemustern.» – Alexander Sury, Der Bund | «Ein wunderbares Machwerk, gemacht von Menschenhand.» – Annina Haab | «Es geht um ein Dirigieren von verschwundenen oder verdunkelten Körpern, um einen Kutscher der Schatten des Körpers.» – Stefan Humbel

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