Szene

Strauhof Zürich | Kurt Marti – Eros. Engagement. Endlichkeit

Kurt Marti (1921 –2017) war ein Mann des Wortes: Mundart-Dichter, Theologe und kritischer Bürger.

Ausgangspunkt der Ausstellung anlässlich seines 100. Geburtstags ist Martis Nachlasswerk «Wortwarenladen»: Es umfasst 5'500 poetische Wörter, die er bei seinen Lieblingsautor*innen erlesen, notiert und kategorisiert hat. Auf diese Sammlung folgen 30 ausgewählte Marti-Wörter, die einen ersten Zugang zu seinem Vermächtnis bieten. Im zweiten Teil vertieft die Ausstellung Martis Grundthemen Eros, Engagement und Endlichkeit. Sie macht die vielfältigen Verflechtungen von Leben und Werk sichtbar.

Der Wortwarenladen erscheint zur Ausstellung im Engeler Verlag
ISBN 978-3-906050-84-3 | 246 Seiten | hrsg. Von Muriel Fischer, Rémi Jaccard, Andreas Mauz und Philip Sippel. Mit einem Nachwort von Andreas Mauz

Kurt Martis Wortwarenladen

Mit dem «Wortwarenladen» wird Kurt Marti als leidenschaftlicher Leser und Sammler greifbar: Über mehrere Jahrzehnte hat er Neologismen der deutschsprachigen Literatur der letzten 350 Jahre zusammengetragen und kategorisiert. Ein Raum zeigt in einer Wandinstallation dieses Konvolut aus 139 Seiten, zu dem 33 annotierte Zusatzseiten in Vitrinen als Original präsentiert werden. Rund 5’500 Wörter hat Kurt Marti mit dem «Wortwarenladen» und den Zusatzseiten gesammelt. Marti ordnet das Vokabular in 68 thematischen Einheiten, die von allgemeinen Naturphänomenen zu spezifischen Sphären der menschlichen Kultur reichen. Beim Gang durch den Wortwarenladen zeichnen sich die Konturen seiner Bibliothek klar ab: Er favorisiert die avancierte Literatur, vor allem die Lyrik. Kurt Marti hat wohl Jahrzehnte an seinem Wörterbuch gearbeitet; publiziert hat er es jedoch nicht – das Typoskript kam erst nach seinem Tod zum Vorschein. Wahrscheinlich lag ihm daran, seine Sammlung als Ressource für andere Schreibprojekte greifbar zu haben. Bereits in früheren Werken finden sich Listen mit Wortschöpfungen, die Übereinstimmungen mit dem Wortwarenladen aufweisen – so in den «alfabeeten» (1966) und in «Im Sternzeichen des Esels» (1995). Aber auch Einzelwörter aus der Sammlung tauchen an entscheidenden Stellen des Gesamtwerks auf.

Text: Strauhof Zürich

weniger lesen

arttv Dossiers

Kulturnachrichten

CLICK Unser eMagazin