Szene

Vercheert | Ein visuelles Spektakel

Nicht der Klick macht das Bild, sondern das Licht, das Loch, die Linse.

Was ist, wenn alles plötzlich auf dem Kopf steht? Zwei Fotografen und zwei Performerinnen entwickeln auf der Bühne ein irritierendes Spiel mit einer Camera Obscura um die Fragen, was sehe ich, wenn ich sehe, was ist richtig – oder leben wir nicht die ganze Zeit in einer verkehrten Welt?

Zurück zum Analogen
In Zeiten der massenhaften Klicks, mit denen Bilder festgehalten werden, geht Gubcompany mit Cortis&Sonderegger einen Schritt zurück und zeigt die Anfänge der Fotografie, wie ein Bild entsteht. Gerade für Kinder kann das Erleben, wie ein Bild aus dem Nichts auftaucht, schärfer wird, grösser, kleiner von besonderer Bedeutung sein. Nicht der Klick macht das Bild, sondern das Licht, das Loch, die Linse, der Abstand der Person oder eines Objekts zum Licht, zum Loch, zur Linse. Ein Arrangement, das Zeit in Anspruch nimmt und Zeit lässt zum SEHEN. In «Vercheert» kann das Publikum, Kinder und Erwachsene, einen Moment der Entschleunigung erfahren und eigene Bilder entwickeln.

Sichtbarkeit
Auf der Bühne ist alles sichtbar. Vor den Augen des Publikums wird eine grosse Karton-Box gebaut, aus der eine begehbare Kamera entsteht, eine Camera Obscura. Das Licht ist darin wie in einem Bunker gefangen und strahlt durch die gebohrten Löcher nach aussen. Die beiden Fotografen verfolgen ihre Absicht, mit der Camera Obscura scharfe und schöne Bilder herzustellen, während die beiden Performerinnen von den Fragen, was ist das, was tun die? umgetrieben werden. Der hell beleuchtete Innenraum der Kiste/Kamera wird für die Performerinnen zur Spielwiese in der sie verschiedene Emotionen, Figuren, Geschichten ausprobieren.

Verkehrt
Die Bilder, die von Kiste/Kamera nach aussen projiziert werden, stehen auf dem Kopf und lösen bei den Zusehenden den Drang aus, sie umzudrehen, sie richtig hinzustellen. Dazu muss jedoch im Inneren der Kamera das Bild auf dem Kopf stehen. Das Innere der Box und die projizierten Bilder im Aussenraum sind nicht dasselbe. Die beiden Performerinnen reagieren auf dieses paradoxe Phänomen, untersuchen es, versuchen herausfinden, was da geschieht, während die beiden Fotografen, mit Linsen und Projektionsflächen fantastische Bildwelten kreieren, die Box wird immer mehr zu einem surrealen Gebilde, in dem die räumliche Orientierung verschwimmt. Oben, unten, links rechts, Grössenverhältnisse ändern sich. Wird das Licht in der Kiste ausgemacht und im Aussenraum wieder angemacht, finden wir uns wieder in der altbekannten Realität. In der Erinnerung bleibt die verkehrte Welt.

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