Mit «Streetphotography – Jens Krauer» zeigt das Haus der Fotografie eine Ausstellung über spontane urbane Begegnungen aus Metropolen wie New York, Istanbul, Hongkong und Tokio. Der in Zürich lebende Fotograf arbeitet ungestellt und meist unbemerkt inmitten der Menschenmengen. Seine Bilder erzählen von Nähe, Zufall und dem Menschlichen im Rhythmus der Stadt.
Unbemerkt mitten im Leben
- Publiziert am 14. Januar 2026
Jens Krauer
Jens Krauer lebt in Zürich und bewegt sich mit der Kamera dort, wo das Leben passiert: auf Strassen, Plätzen, in Menschenmengen. Er sucht keine inszenierten Bilder, sondern Momente, die sich von selbst ergeben – flüchtig, ehrlich, manchmal kaum wahrnehmbar. Seine Arbeiten entstehen in Städten wie New York, Istanbul, Paris, Kyjiw oder Hongkong und wurden in Europa wie auch in den USA gezeigt.
Neben seinen Ausstellungen teilt er sein Wissen in Workshops und Seminaren zur Street Photography. 2025 erschien sein Buch In Plain Sight – Candid Urban Encounters im Kehrerverlag – eine Sammlung von Bildern über das Sehen, Warten und das Dasein in der Stadt.
International Photo Festival Olten
Das International Photo Festival Olten, kurz IPFO, wurde vom Schweizer Fotografen und Emmy-Award-Gewinner Marco Grob, dem Zürcher Creative Director Charles Blunier, Paul Merki, Christoph Zehnder sowie dem Fotografen Remo Buess ins Leben gerufen. Im August 2023 fand das Festival zum vierten Mal statt. Anfang 2021 wurde das Haus der Fotografie eröffnet, das seitdem Ausstellungen von Weltformat präsentiert, darunter von David Lynch, Bryan Adams, Martin Parr sowie die preisgekrönte Gruppenausstellung «Beyond Fashion», die u.a. Werke von Peter Lindbergh, Nick Knight und Miles Aldridge zeigte.
Die Stadt als offener Erzählraum
Jens Krauer bewegt sich durch Städte wie durch offene Geschichten. Seine Fotografien entstehen im Vorübergehen – ohne Inszenierung, ohne Eingriff. Ihn interessieren jene Augenblicke, in denen Menschen sich selbst vergessen: im Gehen, Warten, Schauen, Verschwinden. Die Stadt wird dabei zur Bühne des Alltäglichen, auf der kleine Gesten, Blicke oder Körperhaltungen mehr erzählen als jede Pose.
Krauer sucht nicht das Spektakuläre, sondern das Unaufdringliche. Seine Bilder zeigen das Gewöhnliche als etwas Bedeutungsvolles – als leise Erzählung über das Unterwegssein im Leben. Zeit, Wandel und Vergänglichkeit ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Arbeiten.
Nähe statt Distanz
Krauer unterscheidet klar zwischen Beobachten und Dokumentieren. Beobachten bedeutet für ihn Distanz, Dokumentieren hingegen Nähe – eine Form von Respekt und Aufmerksamkeit gegenüber seinen Motiven. Er bleibt nur so lange, wie nötig, fügt sich unauffällig in die Umgebung ein und vermeidet jede Form von Störung.
Als Purist arbeitet er mit minimalem Eingriff und maximaler Präsenz. Auch wenn manche Situationen Mut und genaue Planung verlangen, versucht er, keine «Wellen» zu schlagen. So entstehen Bilder, die den urbanen Alltag so zeigen, wie er ist: direkt, unverstellt und voller innerer Spannung.
Zwischen Metropole und Geschichte
Neben den Strassenszenen aus den grossen Städten zeigt die Ausstellung auch Arbeiten aus Krauers Tätigkeit als Fotojournalist. Dazu gehören Bilder aus Regionen, in denen Geschichte sichtbar geblieben ist – etwa aus Tschernobyl, wo Stille, Leere und vergangene Zeit in jedem Bild mitschwingen.
Ob in der anonymen Menge oder an Orten kollektiver Erinnerung: Immer stehen bei Krauer Menschen und ihre Geschichten im Mittelpunkt. Seine Fotografien wollen nicht erklären, sondern berühren – und Raum lassen für eigene Gedanken.
Rückkehr nach Olten
Bereits 2023 war Jens Krauer am International Photo Festival Olten mit einer Auswahl seiner Arbeiten zu sehen. Nun kehrt er mit einer umfassenden Einzelausstellung zurück. Über drei Etagen präsentiert das Haus der Fotografie seine während zehn Jahren entstandenen dokumentarischen Strassenfotografien aus urbanen Zentren weltweit.
Die Ausstellung lädt dazu ein, genauer hinzusehen – und im Fremden vielleicht auch etwas vom Eigenen zu entdecken.





