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Schloss Werdenberg | Schlossmediale

Die Schlossmediale Werdenberg, das internationale Festival für alte Musik, neue Musik und audiovisuelle Kunst startet 2012 in seine erste Saison. Zehn Tage lang bespielen 35 internationale Musiker, Künstlerinnen und Tänzer das Schloss.

Zwischentöne
Die «Schlossmediale Werdenberg» beginnt mit einem Wandelkonzert, das die besondere Atmosphäre des Gebäudes in den Vordergrund rückt und wie ein Grundakkord die Themen des Festivals anschlägt. Alte Musik spiegelt und verschränkt sich in und mit zeitgenössischen Kompositionen; Motive wie Nacht, Traum und Einsamkeit werden aufgenommen und variiert und zeigen mal ihre bedrohlichen und mal ihre tröstenden Seiten. Das Publikum bewegt sich von der Dunkelheit in Zonen des Lichts, vernimmt Stimmen, die nicht zu orten sind. Der Countertenor Daniel Gloger, ein Spezialist der historischen Aufführungspraxis und doch seit langem in der Neuen Musik beheimatet, singt «Beata Viscera» von Pérotin aus dem 12. Jahrhundert, sowie «Surdina», ein Stück der zeitgenössischen Schweizer Komponistin Regina Irman aus dem Jahr 1999, von der auch ein Werk stammt, das sich schon im Titel auf Alte Musik bezieht: «Zehn kurze Stücke nach Motiven von Bach und Biber» (2004), auf der Barockgeige interpretiert von Leila Schayegh. Der Komponist Heinrich Ignaz Franz Biber aus dem 17. Jahrhundert ist dann auch im Original zu hören, sowie ein leises, zartes, die Dunkelheit suchendes Stück des englischen Komponisten John Dowland (1563 – 1626). Und immer wieder begegnet das Publikum der Tänzerin Laura Siegmund, die auf dem Höhepunkt des Parcours durch die Bewegung ihres Körpers in einem begehbaren Theremin wundersame Klänge erzeugt.

Zwischenräume
Wahrscheinlich wird das Thema der Schlossmediale 2012 nirgends so sinnfällig wie in der Ausstellung «Zwischenräume», die während des gesamten Festivals in den Räumen des Schlosses und in seiner Umgebung zu sehen ist. Unsichtbar. Stimmen und Spuren. Das Schloss lädt den Besucher gleich auf doppelte Weise dazu ein, zur Ruhe zu kommen. Die Atmosphäre in den noch teilweise mit Möbeln der letzten Bewohnerin Frieda Hilty eingerichteten Räumen ist so dicht, dass Vergangenheit wahrnehmbar zu werden scheint wie ein sichtbares Objekt. Gleichzeitig fühlt man sich hinter den massiven Mauern dem Alltag so entrückt, dass die Aufmerksamkeit unwillkürlich nach Innen schweift, Stimmen und Gedanken zum Vorschein kommen, die das Rauschen der Geschäftigkeit sonst gern verschluckt. Vierzehn Künstler haben sich auf diese beiden Pfade begeben, um unsere Sinne für das Feinstoffliche zu schärfen und kaum Greifbares sinnlich erfahrbar zu machen. Die Photographin Donata Wenders fängt in ihren Photographien Momente einer «anderen Zeit» ein, der renommierte Land Art Künstler Chris Drury überrascht mit filigranen schwebenden Installationen in und ausser Haus. Humorvoll spielt Stefan Marti mit dem Geist der Vergangenheit, indem er die alte Apotheke im Schloss zum Leben erweckt. Iris Rennert und Urs Gaudenz haben ein Körpertheremin entwickelt, das der Besucher durch den Einsatz des eigenen Körpers zum Spielen bringt. Erst bei Berührung ertönen auf dem Schlossplatz die «interaktiven Klanginseln» von Erwin Stache, und der Videokünstler Lillevan überzieht die Schlossfassaden bei einsetzender Dämmerung mit Projektionen.

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