Fliegen ist mehr als Fortbewegung — es ist ein uralter Menschheitstraum, Projektionsfläche für Utopien und Albträume zugleich. Mit «Phantastische Flugobjekte. Hans Küchler und Verwandte» zeigt das Hans Erni Museum eine Ausstellung, die diesen Traum aus der Perspektive eines eigenwilligen Schweizer Grafikers neu vermisst und ihn in einen weiten kunsthistorischen Horizont einbettet. Küchlers imaginäre Flugkörper treffen auf historische Objekte und zeitgenössische Kunst — ein Dialog zwischen Ingenieursdenken und poetischer Vision.
Phantastische Flugobjekte — Kunst verleiht Flügel
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Das Hans Erni Museum widmet Hans Küchler und seinen visionären Flugmaschinen eine grosse Ausstellung zwischen Technik, Fantasie und Kunstgeschichte,
Dem erfinderischen Werk von Hans Küchler werden in der Ausstellungen Objekte der imaginären Fliegerei aus der Sammlung des Verkehrshauses sowie Arbeiten der zeitgenössischen Künstler:innen wie Jürg Benninger (* 1966), Peter Chevalier (* 1953), Hans Erni (1909-2015), Valerie Favre (* 1959, Franz Fedier (1922-2005), David Fuhrer (* 1974)., Reto und Markus. Huber, Huber.Huber (* 1975), Rosa Lachenmeier (* 1959), Wilhelm Morat (* 1954), Camilo Salvador Díaz de Villalvilla Soto (* 1976), Ursula Sax (* 1935), Roman Signer (* 1938), Daniella Tuzzi (* 1964), Peter Wüthrich (* 1962) und Robert Wyss (1925 – 2004) gegenübergestellt, die sich phantasievoll aus der Schwerkraft lösen und auch der Imagination von Betrachterinnen und Betrachtern Flügel verleihen.
Flug der Fantasie statt Technikgläubigkeit
Hans «Kü» Küchler (1929–2001) war kein klassischer Luftfahrtkünstler. Zwar begann er seine Laufbahn als Flugzeugmaschinenzeichner bei den Pilatus-Werken, doch seine späteren Arbeiten entfernen sich zunehmend von realer Technik. Seit den 1970er-Jahren entwarf er fragile, oft absurd anmutende Flugapparate — «zerbrechliche, sensible Apparate», wie er selbst sagte. Es sind Maschinen, die nicht heroisch in Abenteuer aufbrechen, sondern landen, zurückkehren, gefährdet wirken. Küchler transformiert das Flugzeug vom Symbol des Fortschritts zum Ausdruck existenzieller Unsicherheit — eine fast schon visionäre Aktualität.
Geistesverwandtschaft mit Hans Erni
Dass diese Arbeiten im Hans Erni Museum gezeigt werden, ist mehr als eine zufällige Konstellation. Auch Hans Erni war vom Fliegen fasziniert — theoretisch wie praktisch als Hobbypilot. Beide Künstler verbindet die Idee des Fliegens als kulturelles Symbol zwischen Mythos, Wissenschaft und Vision. Ergänzt wird Küchlers Werk durch Ernis eigene Darstellungen sowie durch Objekte aus dem Verkehrshaus der Schweiz, das Küchlers Schaffen bereits zu Lebzeiten gewürdigt hatte. So entsteht ein Panorama, das von antiken Flugmythen bis zur modernen Luftfahrt reicht.
Imaginäre Luftstädte und künstlerische Schwerelosigkeit
Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf Küchler allein. Zeitgenössische Künstler:innen und historische Positionen treten in einen vielschichtigen Dialog mit seinen Arbeiten. Skulpturen, Zeichnungen und Objekte lösen sich von der Schwerkraft, entwerfen Luftstädte, utopische Maschinen oder poetische Miniaturen der Fliegerei. Ob Roman Signers experimentelle Objekte oder die Beiträge weiterer Künstler:innen — gemeinsam öffnen sie einen Raum, in dem Technik zur Metapher wird und die Fantasie tatsächlich abhebt. Begleitet wird die Schau von einer Publikation sowie einem Veranstaltungsprogramm, das das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven vertieft. Mit einer Laufzeit von zwei Jahren lädt «Phantastische Flugobjekte» dazu ein, immer wieder ind Museum zurückzukehren — ganz im Sinne Küchlers landender Flugzeuge, die nie endgültig verschwinden, sondern nach der Landung erneut am Horizont auftauchen.
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