Die Gruppenausstellung «Containers Love Disorder» vereint sieben in der Schweiz aktive Kunstschaffende und Kollektive, die sich mit Strategien des Einordnens und Verortens auseinandersetzen. Gezeigt werden Arbeiten von Michèle Graf & Selina Grüter, Dominic Michel, Mathis Pfäffli, Matthias Sohr, Kelly Tissot, Paulo Wirz sowie das 2023 von Anaïs Wenger initiierte kollaborative Projekt La Bibliothèque des Ready-Mades.
Ordnung für die Kunst in «Containers Love Disorder»
- Publiziert am 27. Februar 2026
In der Kunst Halle Sankt Gallen wird der Frage nachgegangen, wie (un-)geordnete Strukturen künstlerisch wahrgenommen und reflektiert werden.
MICHÈLE GRAF & SELINA GRÜTER
(*1987 in Wetzikon/CH und *1991 in Zürich/CH) leben und arbeiten in New York/USA.
LA BIBLIOTHÈQUE DES READY-MADES
(*seit 2023) wurde als kollaboratives Projekt von Anaïs Wenger (*1991 in Genf/CH) initiiert.
DOMINIC MICHEL
(*1987 in Klingnau/CH) lebt und arbeitet in Zürich/CH.
MATHIS PFÄFFLI
(*1983 in Luzern/CH) lebt und arbeitet in Zürich/CH.
MATTHIAS SOHR
(*1980 in Düsseldorf/DE) lebt und arbeitet in Lausanne/CH.
KELLY TISSOT
(*1995 in Annecy/FR) lebt und arbeitet in Basel/CH.
PAULO WIRZ
(*1990 in Pindamonhangaba/BR) lebt und arbeitet in Zürich/CH.
Gesellschaftliche Ordnungsstrukturen
Wie der Titel nahelegt, basiert die Idee der Ausstellung im Container als Sinnbild und Modell für gesellschaftliche Organisation und darüber hinaus. Konkret funktionieren die normierten Metallgehäuse als Grundvoraussetzung für eine effizienzgesteigerte, globale Warenzirkulation. Bildlicher gesprochen schaffen Container Räume, weisen Dingen ihren Platz zu und wirken als Moderatoren für Relationen und Handlungen. In diesem Sinne kann auch eine Institution – auch eine Kunst Halle – als Container verstanden werden: Für Kunst, für Netzwerke, für Diskurs. Der Versuch, im Feld der Kunst Einordnungen vorzunehmen, geht immer mit Fragen nach Autorität, Situierung und Dynamiken des Ein- und Ausschlusses einher. Die eingeladenen Künstler:innen reflektieren Produktions- und Zugangsbedingungen von Kunst und reagieren in Form von Skulpturen oder installativen Eingriffen auf räumliche und kontextuelle Begebenheiten der Kunst Halle.
Sammeln, verwerten und neu interpretieren
Anhand unterschiedlicher Schwerpunkte und Ansätze untersuchen die ausgestellten Arbeiten das Verhältnis zwischen Menschen und Infrastrukturen. Dabei zeichnen sie Einflüsse ökonomischer Kreisläufe auf unser Denken und Handeln nach, schärfen den Blick für technisierte Umgebungen oder widmen sich Geschichten und Ritualen, die sich in Objekte des Alltags einschreiben. Sammelnd, aufzeichnend, recycelnd und aneignend treten diese Künstler:innen einer Welt des Überflusses gegenüber und wenden sich entschieden deren Restposten, Aussonderungen und Nebenschauplätzen zu.
Die (Un)Ordung
«Containers Love Disorder» geht von der Prämisse aus, dass jeder Ordnung, jedem System eine entropische Kraft innewohnt. «Unordnung» deutet hierbei nicht einfach nur auf eine energetische Verausgabung oder Auflösung hin, sondern umfasst auch Potenziale des Widerstands, Aufbruchs und der Neuanordnung. Die scheinbare Gegensätzlichkeit von Ordnung und Unordnung mag sich zuweilen sogar als eine leidenschaftliche Beziehung entpuppen – eine Sehnsucht nach Chaos und Andersheit. Derweil kann das Einordnen selbst auch als Einladung verstanden werden, Muster zu erkennen, Grenzen zu verschieben und die Leerstellen zwischen den Dingen zu erforschen.
(Textgrundlage: Kunst Halle Sankt Gallen)
