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Kunsthalle Ziegelhütte | Sinn Maschine

Andreas M. Kaufmann sieht sich als Archäologe seiner eigenen Zivilisation. Seine "Bilder" zeigt er jetzt in der Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell.

Sinn – Maschine
Andreas M. Kaufmann, *1961 in Zürich, lebt und arbeitet in Barcelona und Köln, gehört seit den 1990er Jahren zu den wichtigen Medienkünstlern Europas. In seinen Lichtinstallationen, den multiplen Diaprojektionen und den vielteiligen Wandbildern thematisiert er auf den ersten Blick einen Paradigmenwandel in der (Kunst-) Geschichte, weg vom statischen Einzelbild hin zur Überlagerung mehrerer Bildschichten, die in sich widersprüchlich, gar verletzend sein können. Konstituierendes und immer auch reflektiertes Element ist dabei die Zeit beziehungsweise die Spürbarkeit von Zeit – als Abfolge von Augen-Blicken wie auch als Überlagerung von historisch bedingten Sinnschichten.
Während in den dynamischen Kompositionen der Moderne (bspw. des russischen Konstruktivismus und des Abstrakten Expressionismus) Bewegung gleichsam erstarrt präsentiert wird, versetzt Kaufmann die Bilder in dynamische, nicht mehr fixierbare Kompositionen. Die moderne Beschleunigung bis hin zur Überforderung der Wahrnehmung ist eines der Motive seiner Arbeiten – wobei er in seinen unterschiedlichen Werkgruppen konsequent die Produktion neuer „Hauptbilder“ verweigert – eher organisiert er die Bilderflut der Vergangenheit und der Gegenwart neu, gibt der letztlich anonymen Bildmaschine, die ja auch eine Zeitmaschine ist, eine eigene Sinnlichkeit und eine spezifisch auf die Ausstellungsorte bezogene Sinnhaftigkeit.

Optische Semiologie
In den jüngeren Arbeitsreihen untersucht Kaufmann mit visuellen Mitteln das sinnliche, das lexikalische und sinnstiftende Potential von Sprache. Begriffe, Satzteile, Redewendungen, deren Bedeutung scheinbar festgelegt, wenn nicht zementiert ist, werden in einer Weise präsentiert oder kombiniert – sei es als Projektion, sei es als Schautafel , dass ihre Selbstverständlichkeit, ihre festgeschriebene Bedeutung in Frage gestellt wird. Auch in dieser Werkgruppe wird „Sinnerzeugung“ als Arbeit, als endloser Prozess vorgeführt, in dem der Künstler seinen Beitrag durch optische Semiologie leistet. Sowohl die Kunstgeschichts-Maschinen wie auch die Text-Maschinen befragen die Wertigkeit, die Sprache, Bilder oder Kunst in unserer Gegenwart noch haben können.

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