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Kunst Museum Winterthur | Koenraad Dedobbeleer | Reality Check

Wie wird Kunst generiert? Wo hört Kunst auf, wo fängt das Leben an?

Der belgische Künstler Koenraad Dedobbeleer dekliniert in seiner ersten grossen Werkschau das Thema der Skulptur in unendlichen Varianten durch. Dazu verwendet er Dinge aus dem Alltag, die er durch minimale Eingriffe in den Kontext der Kunst setzt. Parallel zeigt das Kunst Museum Winterthur mit «Reality Check» eine Sammlungspräsentation, die sich der materiellen Wirklichkeit in der Kunst zuwendet.

Koenraad Dedobbeleers «Plastik – Gallery of Material Culture»
Der 1975 im belgischen Halle geborene Künstler zeigt erstmals in der Schweiz Skulpturen voller Referenzen an die Kunst- und Designgeschichte. Dabei untersucht er die Herkunft und Bedeutung alltäglicher Materialien, zerlegt sie, um sie neu zusammenzufügen, und liefert damit Denkanstösse für unseren Umgang mit der Welt der Dinge.

Dedobbeleer arbeitet mit musealen Präsentationsformen und -dispositiven und verrät damit eine Nähe zur sogenannten «institutional critique», die er indes zugleich mit charmanter Leichtigkeit unterläuft. Mittels Appropriationen und Dekonstruktion lässt Dedobbeleer in und zwischen seinen Werken Bezüge anklingen, die sich als eigentliche Wahrnehmungsfallen herausstellen. Seine eigenwilligen Transformationen des Alltäglichen sind lustvoll anzuschauen – sie bilden ein irritierendes Netzwerk aus, in dem stets alles mit allem in Beziehung treten kann.

«Reality Check»
Der Reality Check im Kunst Museum Winterthur wendet sich der materiellen Wirklichkeit der Dinge zu: Im Zentrum der Ausstellung steht der Umgang mit alltäglichem, teils vorgefundenem Material, das auf unterschiedlichste Art und Weise in Kunst übersetzt wird. Die Ausstellung präsentiert exemplarische Positionen, in denen sich die materielle Dinglichkeit in der Kunst manifestierte, begnonnen in den 1950ern bis in die Gegenwart.

Neben Werken von Marcel Duchamp (1887 – 1968) und den spielerisch-ironischen Adaptionen durch Richard Hamilton (1922 – 2011) bietet die Präsentation in fünf Räumen einen abwechslungsreichen Rundgang durch die Kunst von der Nachkriegszeit bis heute. Auftakt bildet Jean Tinguely (1925 – 1991) mit seiner kauzigen MaschinenSkulptur, die Metallschrott zu einer seiner typischen kinetischen Plastiken vereint: das «Totem No 2» oder «Dr wild Ma». Sie entstand 1960, dem Jahr des Manifests der «Nouveaux Réalistes». Der Bewegung, die als Reaktion auf die als selbstbezogen empfundene Malerei des Informel entstand, schlossen sich die Affichisten Raymond Hains (1926 – 2005), Jacques Villeglé (*1926) und Mimmo Rotella (1918 – 2006) ebenso an wie Daniel Spoerri (*1930). Sie gehörten zu den Wegbereitern einer Kunst, die sich direkt mit alltäglichen Gegenständen auseinandersetzt. In der 1950er Jahren begannen die Affichisten, Plakate stückweise abzureissen und diese mitsamt der Wand als Kunstwerk zu deklarieren. Damit prägten sie ein völlig neues Verständnis dessen, was «Realität» und «Realismus» in der Kunst bedeuten. Auch der amerikanische Künstler John Chamberlain (1927 – 2011) bearbeitete ab Ende der 1950er Jahre die Dingwelt in direkter Weise, indem er Autoschrotteile zu Metallskulpturen zusammenschweisste.

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