Die Ausstellung der Kunststiftung Zürichsee zeigt eindrücklich, dass hinter vielen künstlerischen Positionen nicht nur individuelle Handschriften stehen, sondern auch Freundschaften, Rivalitäten, Lehrverhältnisse und kreative Allianzen, die das Schaffen nachhaltig prägen.
Inszeniert! — Selbstbildnisse, Kollegenporträts und Netzwerke
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In der Villa Seerose in Horgen macht der Kunstfrühling 2026 sichtbar, wie eng Kunst und persönliches Umfeld miteinander verflochten sind.
Kunst als Netzwerk gelebter Beziehungen
Ausgehend von den eigenen Sammlungsbeständen entfaltet die Schau ein vielschichtiges Panorama künstlerischer Beziehungen rund um den Zürichsee. Selbstbildnisse dienen dabei nicht nur der Darstellung der eigenen Person, sondern offenbaren Lebensumstände, Selbstverständnis und künstlerische Programme. Porträts von Kolleg:innen wiederum machen den gegenseitigen Blick sichtbar — geprägt von Nähe, Anerkennung oder auch subtiler Konkurrenz. Die Werke verdeutlichen, wie stark künstlerische Entwicklungen aus dem persönlichen Austausch hervorgehen. Ateliergemeinschaften, Lehrer-Schüler-Beziehungen, Freundschaften oder gegenseitiges Modellstehen bilden ein dichtes Geflecht, das weit über einzelne Biografien hinausreicht und eine ganze Region als kulturellen Resonanzraum erscheinen lässt.
Regionale Kunstgeschichte in konzentrierter Form
Besondere Aufmerksamkeit gilt einer grossen Werkgruppe des Zolliker Künstlers Paul Bodmer, deren Schenkung an die Stiftung erst kürzlich erfolgt war. Die präsentierten Arbeiten zeichnen exemplarisch seinen Weg von den frühen Jahren bis in die reife Phase nach. Ergänzt wird dieser Schwerpunkt durch Werke von Albert Pfister sowie von Hermann Huber und Reinhold Kündig, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Zürich aus ihre künstlerischen Karrieren starteten und rasch nationale Bekanntheit erlangten. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg sorgten sie auch im deutschsprachigen Ausland für Aufmerksamkeit, indem sie neue künstlerische Strömungen aufgriffen und weiterentwickelten.
Berührende Selbstbilder und verborgene Konstellationen
Insgesamt sind rund drei Dutzend Künstler:innen vertreten — bekannte Namen ebenso wie weniger präsente Positionen, deren Beziehungen untereinander neue Perspektiven auf die regionale Kunstlandschaft eröffnen. Besonders eindrucksvoll wirkt ein kleines Selbstbildnis von Fritz Urban Welti: In einem detailreichen Holzdruck zeigt sich der Künstler mit einer Prise Selbstironie inmitten seines Ateliers, umgeben von Werkzeugen und eigenen Arbeiten — ein intimer Blick in sein persönliches Universum. Leihgaben aus öffentlichen Sammlungen, Stiftungen und Privatbesitz ergänzen die Präsentation und machen den Kunstfrühling 2026 zu einer dichten Momentaufnahme künstlerischer Verbundenheit rund um den Zürichsee — und zu einer Erinnerung daran, dass Kunstgeschichte immer auch Beziehungsgeschichte ist.
