Am Anfang von «Fluss(ab)Fluss» steht kein kuratorisches Konzept, sondern ein Rechercheprojekt: das Buch «Das Unerwartete» von Gianni Paravicini. Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Verein Kulturlandschaft und im Auftrag des Kantons Obwalden, dokumentiert es das Hochwasser von 2005 und die daraus folgenden Eingriffe in die Landschaft. Die Ausstellung knüpft daran an und überführt diese Auseinandersetzung in künstlerische Arbeiten – als räumliche, sinnliche und vielstimmige Weiterführung der Recherche.
Fluss(ab)Fluss – Wenn aus Recherche Ausstellung wird
Ein Buch über Hochwasser, Landschaft und Eingriff wird im Museum Bruder Klaus zur künstlerischen Auseinandersetzung.
Die Grundlage: Ein Buch als Ausgangspunkt
Am Anfang von «Fluss(ab)Fluss» steht kein Ausstellungskonzept, sondern das Buch «Das Unerwartete» von Gianni Paravicini. Entstanden im Auftrag des Kantons Obwalden gemeinsam mit dem Verein Kulturlandschaft, bündelt die Publikation Recherchen zu Naturereignissen, insbesondere zum Hochwasser von 2005, und zu den daraus resultierenden infrastrukturellen Eingriffen wie dem Entlastungstunnel zwischen Sachseln und Alpnach. Dieses Buch bildet die inhaltliche Grundlage der Ausstellung. Es liefert nicht nur Themen, sondern konkrete Fragestellungen: Wie verändert Wasser Landschaften? Was bedeutet es, wenn der Mensch versucht, diese Prozesse technisch zu kontrollieren? Und welche Spuren hinterlassen solche Eingriffe – sichtbar und unsichtbar? «Fluss(ab)Fluss» nimmt diese Fragen auf und überführt sie in eine räumliche, künstlerische Auseinandersetzung.
Zusammenarbeit als Methode
Die Ausstellung ist als Kooperation angelegt – zwischen dem Museum Bruder Klaus, dem Verein Kulturlandschaft und den beteiligten Kunstschaffenden. Diese Zusammenarbeit ist nicht nur organisatorischer Rahmen, sondern prägt die Ausstellung inhaltlich entscheidend. Mehrere Künstler:innen waren bereits am Buchprojekt beteiligt oder haben sich im Zuge dessen intensiv mit den Themen Wasser, Landschaft und Eingriff auseinandergesetzt. Die Ausstellung setzt diese gemeinsame Recherche fort und schafft einen Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Kunst erscheint hier nicht als isolierte Position, sondern als Teil eines kollektiven Prozesses, der sich aus einer konkreten regionalen Erfahrung speist. So entsteht ein vielschichtiger Zusammenhang zwischen Forschung, künstlerischer Praxis und gesellschaftlicher Realität – getragen von einer Region, die sich mit ihren eigenen Bedingungen auseinandersetzt.
Elf Positionen, ein gemeinsamer Ursprung
Die beteiligten Kunstschaffenden entwickeln aus dieser Grundlage heraus eigenständige Arbeiten, die sich in Material, Medium und Zugang stark unterscheiden, aber auf denselben Ursprung verweisen. Judith Albert arbeitet mit Video und Installation und lässt Wasser in intime Räume eindringen. Donato Amstutz übersetzt fotografische Bilder in Stickerei und macht Zeit und Prozess sichtbar. Sandra Boeschenstein entwickelt reduzierte, raumgreifende Zeichnungsinstallationen zwischen Körper, Spur und Wahrnehmung. Roman Britschgi verbindet Landschaft und Klang, während Jul Dillier mit Tropfen und Rhythmen komplexe Klangräume erzeugt. Barbara Gut arbeitet mit symbolisch aufgeladenen Bildwelten zwischen Ritual und Erinnerung. Moritz Hossli untersucht technische Systeme und ihre Fragilität, Christian Kathriner verbindet lokale Traditionen mit kunsthistorischen Bezügen, und Marie-Cathérine Lienert reflektiert Wasser in filmischen Landschaftsbildern zwischen Ruhe und Dynamik. Mit Kurt Sigrist kommt eine Position hinzu, die das Hochwasser von 2005 als persönliche Erfahrung verarbeitet und in eine begehbare Installation übersetzt. Gemeinsam entsteht eine Ausstellung, die nicht aus einer Idee heraus entwickelt wurde, sondern aus einer konkreten Auseinandersetzung – und genau daraus ihre Stärke bezieht.
