Robert S. Gessner wurde einmal der zürcherischste der Zürcher Konkreten genannt. Der Zeitgenosse von Max Bill und Verena Loewensberg, der mit der Künstlervereinigung Allianz ausstellte und in vielen Zürcher Sammlungen mit wichtigen Werkgruppen vertreten war, blieb gleichwohl einer der unbekanntesten Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts.
Die Wiederentdeckung eines Zürcher Künstlers
- Publiziert am 17. Februar 2026
Die Schatzkammer der Zentralbibliothek Zürich öffnet Einblicke in das Werk des vergessenen Zürcher Konkreten Robert S. Gessner.
Zwischen Spieltrieb und Geometrie
Zu seinen Lebzeiten war Robert S. Gessner noch in über hundert Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Er führte ein erfolgreiches Grafikatelier und war als Zeichenlehrer an der Zürcher Kunstgewerbeschule bei den Studierenden beliebt. Für seinen Werdegang als Künstler wurde, neben Sophie Taeuber-Arp und Kandinsky, vor allem der Einfluss Paul Klees massgebend. Klee und Gessner spielten ein Musikinstrument. Doch während Klee vorwiegend der klassischen Musik zugetan war, liess sich Gessner von der europäischen, südamerikanischen und arabischen Volksmusik wie auch vom Jazz inspirieren. Auf dieser Gratwanderung zwischen Spieltrieb auf der einen und geometrischen Gesetzmässigkeiten auf der anderen Seite gelangen Gessner, dem selbsternannten «romantischen Konstruktivisten», filigrane Werke von grosser Suggestivkraft.
«Künstler ohne Dogma»
Wer war dieser Künstler, der vierzig Jahre mit der Kantonsrätin und Frauenrechtlerin Selma Gessner-Bührer verheiratet war und dessen Bilder den Monatslohn eines Arbeiters nicht übersteigen sollten? Die Ausstellung will einen Zugang zu diesem authentischen «Künstler ohne Dogma», wie Gottfried Honegger ihn nannte, schaffen und ihn anhand einer sorgfältig getroffenen Auswahl präsentieren. Die Zentralbibliothek Zürich besitzt bereits diverse Arbeiten des Künstlers Robert S. Gessner. Die Werke der Robert S. Gessner Kunststiftung sollen dereinst die bestehende Sammlung der Zentralbibliothek Zürich ergänzen.
(Textgrundlage: Zentralbibliothek Zürich)
