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Zürcher Ballett | ARTIFACT

Mit William Forsythe und seiner 1984 entstandenen Choreografie "Artifact" erweisen Ballettdirektor Heinz Spoerli und das Zürcher Ballett im ersten Ballettabend der neuen Saison einem der ganz grossen Choreografen unserer Zeit ihre Reverenz.

Artifact war Forsythes erstes abendfüllendes Ballett, nachdem er 1984 das Amt des Ballettdirektors in Frankfurt/ Main übernommen hatte. Hier geht es um die Geschichte des Balletts als Kunstform, in die es sich zu blicken lohnt, um ihre Grenzen auszureizen und neue, zeitgenössische Bewegungsformen zu finden. Schon in diesem frühen Werk zu Musik von Johann Sebastian Bach und Eva Crossman-Hecht sind wesentliche Charakteristika von Forsythes Stil, wie etwa die Gleichzeitigkeit von Sprache und Tanz zu finden. In charakteristischem Wechsel von neoklassischen und improvisierten «modernen» Tanzpassagen erschliesst sich uns keine Geschichte im chronologischen Sinn. Dennoch handelt es sich nicht um ein abstraktes Ballett, da – so Gesine Kleinschmit in ihrem Aufsatz «Choreografien durch Raum und Zeit» – «das Erzählen kaum je ein Ende nimmt. Dieses Stück tritt vielmehr einen Schritt zurück von der geschlossen inszenierten Illusion. Eine Figur, die dem alten Handlungsballett entsprungen sein könnte, redet vom Erinnern und Vergessen einer Geschichte und von dem, was dem Erzählen vorausgeht: Hinzusehen, zu denken und sich ein Bild zu machen. In den Blick gerät damit gerade auch die Geschichte des Balletts. Allerdings wird sie nicht selbst erzählt – der Zugang ist hier vielmehr ein archäologischer: Die tradierten Codes des klassischen Balletts werden offengelegt, sein Interesse, Geschichten zu erzählen und auf diese Weise Wirklichkeit illusionär zu verdichten, wird selbst zum Thema. Die Zuschauer sind damit angesprochen in ihren Erwartungen und Wünschen. Und sie werden aufgefordert, das, was sie vom Ballett zu wissen glauben, zwar nicht zu vergessen, aber – auf die Gefahr der Enttäuschung hin – offen zu halten für neue Perspektiven.»

Artifact bildete den Auftakt zur goldenen Ära des Balletts in Frankfurt

Eine fast schwarze und leere Bühne. Eine silbergrau bemalte und bekleidete Gestalt schreitet langsam und gezielt über die Fläche, führt die Arme abwechselnd zur Seite und nach oben.
Eine Dame in einem Rokokokostüm erscheint. Stark gestikulierend eilt sie umher, redet von Sehen, Denken, Erinnern und Vergessen und würfelt diese Verben in irritierenden Kombinationen durcheinander: «You think you thought you see you saw». Zu diesen beiden Figuren gesellt sich noch eine dritte Gestalt, ein Mann mit einem Megaphon, und alsbald tanzt zwischen ihnen eine Ballettkompanie. So beginnt das Ballett «Artifact», das – fast ein Vierteljahrhundert nach seiner Uraufführung – nun erstmals in Zürich zu sehen ist. 1984 begann mit diesem Ballett von William Forsythe die goldene Ära des Balletts in Frankfurt, die die Mainmetropole für zwanzig Jahre zu einem Mekka des zeitgenössischen Tanzes werden liess.

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