Einem breiten Publikum bekannt ist der Film- und Theaterregisseur Piet Baumgartner spätestens seit seinem preisgekrönten Kinofilm BAGGER DRAMA. Seine beiden neuen Projekte entstehen aber gegenwärtig auf den Brettern, die die Welt bedeuten: im Theater Neumarkt in Zürich und am Theater St. Gallen. Einmal geht es um die Entlassung eines schwulen Lehrers in einer Zürcher Gemeinde, einmal um fünf Hunde – und darum, was wir von ihnen lernen können. Wie passt das zusammen?
Wuff Wuff und es gibt Puff
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Wenn Realität zur Bühne wird
Der reale Fall, bei dem 2024 ein schwuler Primarlehrer in einer Zürcher Gemeinde nach Protesten konservativer Eltern seine Stelle verlor, sorgte schweizweit für heftige Diskussionen. Anlass dafür war sein Sexualkundeunterricht, der offiziell als korrekt beurteilt wurde. Dennoch rückte im Verlauf der Auseinandersetzung immer stärker die Homosexualität des Lehrers ins Zentrum der Kritik. Was als schulinterne Auseinandersetzung begann, entwickelte sich rasch zu einem regelrechten «Puff» – in der Gemeinde ebenso wie in den Köpfen der Beteiligten. Trotz Unterstützung durch Kolleg:innen und Teile der Öffentlichkeit wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst – ein Vorgang, der Fragen nach Diskriminierung, Machtverhältnissen und dem Einfluss konservativer Kreise auf die Schule aufwarf.
Dass diese Geschichte ein gefundener Stoff für ein Theaterstück ist, das mehr sein will als blosse Belustigung, liegt auf der Hand. Zu viele gesellschaftliche Bruchstellen laufen hier zusammen: Angst vor dem Anderen, moralische Überheblichkeit, institutionelle Unsicherheit. Piet Baumgartner und das Theater Neumarkt in Zürich greifen den Fall auf und machen ihn zum Ausgangspunkt von SCHWULER LEHRER! – einem Stück, das nicht urteilen, sondern sichtbar machen will und zeigt, wie private Schicksale politische Dimensionen annehmen.
WAU WOW ein tierische Bühneshow
Während «SCHWULER LEHRER!» gesellschaftlich hoch relevant daherkommt, mutet «WAU WOW» auf den ersten Blick eher verspielt, vielleicht sogar schräg an. Ein «Hundsstück»? Fünf Hunde auf der Bühne? Man fragt sich unweigerlich: Was soll das eigentlich – und was will dieses Stück erzählen? Klar ist nur: Im Zentrum stehen Hunde, unsere treuesten Begleiter. Ob daraus eine Liebeserklärung, ein komisches Spektakel oder etwas ganz anderes wird, bleibt offen. Die Ankündigungen sprechen von einem Perspektivwechsel – die Welt einmal aus tierischer Sicht sehen. Vielleicht geht es um Nähe, Abhängigkeit, Macht oder Zuneigung. Aber wie genau? «WAU WOW» klingt nach einem Experiment, dessen Ausgang offen ist. Nach der Premiere am 30. April wissen wir mehr.

