Seit 2013 versteht sich die Tankstelle Bühne als Plattform für junge Künstler:innen aus Theater, Tanz, Musik und Performance. Das Projekt setzt nicht auf fertige Grossformate, sondern auf konzentrierte, eigenständige Arbeiten, die neue ästhetische Handschriften sichtbar machen. Auch 2026 bringt das Format drei Kurzprojekte auf verschiedene Bühnen der Zentralschweiz und schafft zugleich Vernetzung mit lokalen Veranstalter:innen.
Tankstelle Bühne 2026 bringt neue Stimmen auf die Bühnen der Zentralschweiz
- Publiziert am 31. März 2026
Drei Kurzprojekte zwischen Tanz, Hype und Entschleunigung zeigen, wie präzise der Bühnennachwuchs gesellschaftliche Dynamiken verhandelt.
Drei Projekte, drei Zugänge zur Gegenwart
Die diesjährige Ausgabe vereint Arbeiten, die gesellschaftliche Dynamiken aus unterschiedlichen Perspektiven befragen. Company: Third Shore mit Nina Ritter und Zhiyelun Qi widmet sich in FERNE NÄHE transkulturellen Prägungen und übersetzt sie in ein Duett aus zeitgenössischem Tanz und selbst komponierter Musik. Tiziana Greco und Ramon Juchli richten den Blick mit YULAEC auf die Mechanismen eines Hypes, der sich über Pausenplätze, soziale Medien und Feuilletons ausbreitet – und ebenso schnell wieder verschwinden kann. Das Kollektiv um Elisa Bruder, Sophie Oetinger, Mila Lyutskanova, Pearlie Frisch und Rahel Weber setzt mit FERMENTIERTE WELTEN – ÖKOLOGIE DER REIFUNG auf eine ästhetische Form der Verlangsamung und stellt dem Diktat von Effizienz und Kontrolle eine andere Zeitlichkeit entgegen.
Tanz, Hype und Fermentation als künstlerische Versuchsanordnungen
Besonders spannend ist, wie unterschiedlich die drei Produktionen ihre Themen nicht nur benennen, sondern formal fassen. FERNE NÄHE arbeitet mit Bewegung, Klang und Körperwissen und schöpft dabei aus Einflüssen wie Tai Chi und Martial Arts – kulturelle Prägungen werden hier nicht diskutiert, sondern körperlich erfahrbar gemacht. Was wird kollektiv begehrt, zirkuliert plötzlich überall – und kippt im nächsten Moment in Leere? Die Dynamik ist bekannt: Noch gestern drehen alle denselben TikTok-Tanz, heute wirkt er bereits abgestanden. Digitale Trends wie BeReal versprechen kurzzeitig Authentizität und verschwinden ebenso schnell wieder aus dem Alltag. Und selbst materielle Phänomene wie der Fidget Spinner zeigen, wie rasant sich Begehrlichkeiten aufbauen – und wieder entladen. YULAEC greift genau dieses Prinzip auf und übersetzt es in eine audiovisuelle Performance, die den Hype nicht nur beobachtet, sondern als gesellschaftlichen Reflex sichtbar macht. FERMENTIERTE WELTEN schliesslich denkt Fermentation als künstlerisches und politisches Modell: ein Prozess, der Zeit braucht, Transformation zulässt und sich der Logik sofortiger Verwertbarkeit entzieht. Flüssig wird fest, Rohstoff wird Nahrung – und Gegenwart wird zu etwas, das Geduld verlangt.
Nachwuchsförderung als kulturelle Infrastruktur
Dass die Tankstelle Bühne solche Arbeiten nicht nur präsentiert, sondern in der Region sichtbar macht, ist mehr als ein Förderformat – es ist kulturelle Infrastruktur. Nachwuchsförderung bedeutet hier konkrete Bedingungen: Bühnen, Begegnung, Öffentlichkeit und die Möglichkeit, unterschiedliche Kontexte in der Zentralschweiz zu bespielen. So entsteht ein Format, das lokale Verankerung mit offener künstlerischer Suche verbindet.
