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Portrait Kellerbühne St.Gallen | «Der Andere»

Die Kellerbühne St.Gallen feierte vor einem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Der Leiter, Matthias Peter, erörtert im arttv Interview die Schwerpunkte und aktuelle Ausrichtung des Kleintheaters, das als Schweizer Erstaufführung gerade «Der Andere» auf die Bühne bringt.

Einsamkeit zu zweit
Das Dreipersonenstück «Der Andere» des französischen Dramatikers Florian Zeller erzählt eine simple Geschichte: Nach fünfjährigem Zusammenleben erkennen sich «Sie» und «Er» nicht wieder. Langeweile, Überdruss, Schweigen, Eifersucht und Untreue bestimmen und rhythmisieren den Alltag ihrer Partnerschaft. Jeder sieht sich mit seiner Einsamkeit und einem «Anderen» konfrontiert, der sie von nun an begleitet, um sie wohin zu führen? Im Gegensatz zum aktuellen Trend ist das Stück jedoch weit von psychologischem Realismus entfernt. Die Szenen zeichnen sich durch ihre stilisierte Form und einen abgründigen Humor aus, die Sprache durch eine bewundernswerte Musikalität und spielerische Leichtigkeit. Dadurch erscheint die Thematik in einem völlig neuen Licht. Die Szenentitel stecken ein weites tragikomisches Feld ab, sie lauten: Irrende Schatten, Geheimnisvolle Barrikaden, Kriegslärm (oder Eheleben), Einsamkeit, Stumme Eifersucht, Selbstmord, Galantes Gehabe, Drama und Finale. Unter der Regie des Hausherrn Matthias Peter erkunden Simone Stahlecker, Oliver Kühn und Alexandre Pelichet das entworfene Labyrinth. Der Theatermusiker Stefan Suntinger steuert dazu die passende Musik bei.

Junger französischer Erfolgsautor
Florian Zeller, geboren 1979, ist Romancier und Dramatiker und zählt gegenwärtig zu den begabtesten Autoren Frankreichs. 2004 wurde er für seinen Roman «La Fascination du Pire» mit dem «Prix Interallié», einem der wichtigsten französischen Literaturpreise, ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sein erstes Theaterstück «Der Andere» in Paris uraufgeführt und zu einem Überraschungserfolg. Die seither entstandenen Stücke «Wenn du tot wärst» (2006), «Die Mutter» (2010), «Die Wahrheit» (2011), «Eine Stunde Ruhe» (2012) und «Vater» (2013) wurden in Frankreich mit Preisen ausgezeichnet, zum Teil verfilmt und an zahlreichen Bühnen in ganz Europa nachgespielt.

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