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Basel | Grande-Duchesse de Géroldstein

Warum beginnt man einen Krieg? Oft aus Langeweile! Dies tut zumindest die Grand-Duchesse de Géroldstein. Eine kurzweilige Operette mit typisch marthalerschen Aussetzern am Schluss.

Das Second Empire stand im Uraufführungsjahr 1867 bereits kurz vor seinem Untergang. Doch die Bürger Frankreichs verdrängten den Ernst der Lage und besuchten massenhaft das Theater. «Das Publikum liebt die Kunst, daran ist nicht zu zweifeln, aber es liebt die heitere Kunst. Es soll sie haben», meinte Jacques Offenbach und hielt seinen Zeitgenossen den Spiegel vor, indem er in «La Grande-Duchesse de Gérolstein» die europäischen Zustände mit aufgeblasenen Machthabern, säbelrasselndem Militär und degenerierten Aristokraten aufs Schärfste karikierte.

Gerolstein, ein kleines, aber kühnes Grossherzogtum, erklärt dem Nachbarstaat den Krieg, und das aus einem einzigen Grund: Die kapriziöse Regentin langweilt sich und muss von den Regierungsgeschäften abgehalten werden. Von ihren intriganten Ministern wird ihr als zweite Ablenkungsstrategie zudem eine politisch opportune Heirat anempfohlen. Sie jedoch verliebt sich ausserplanmässig in den einfachen Soldaten Fritz, den sie flugs zum Gefreiten, Korporal, Fähnrich und Hauptmann ernennt und schliesslich als befehlshabenden General mit Adelstitel in den Krieg schickt. Doch allen- Avancen zum Trotz erhört Fritz die Grossherzogin nicht, sondern fühlt sich seiner Jugendliebe Wanda verpflichtet. Rasend vor Eifersucht schliesst sich die Regentin einem Mordkomplott ihrer Minister an: Der Emporkömmling soll sterben! Er überlebt, und sie muss eine bittere Erfahrung machen: «Wenn man nicht kriegt, was man liebt, dann muss man lieben, was man kriegt.»

In der Partie der Grande-Duchesse kehrt Anne Sofie von Otter nach Basel zurück. Sie singt unter der Stabführung von Hervé Niquet, dem international gefragten Konzert- und Operndirigenten mit Schwerpunkt auf französischer Musik. In Szene gesetzt wird der grosse Entwurf eines kleinen Reiches von Christoph Marthaler, dem Schweizer Meister des skurrilen Witzes, dem Verehrer der Nachtschattenseite des Humors.

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