Szene
Erna Schillig, zwei Fresken an der Aussenwand der Kapelle Haldi | © Felix Schenker

Erna Schillig - Musterschülerin, Professorin, Geliebte

Das Haus für Kunst Uri zeigt das grossartige Werk einer in Vergessenheit geratenen Künstlerin.

Erna Schillig (1900 - 1993) hat das gleiche Schicksal wie viele Künstlerinnen ihrer Generation, ihre künstlerische Arbeit wurde viel zu wenige gewürdigt und wenig in den Museum sichtbar gemacht. Eine längst überfällige Hommage an die Schweizer Künstlerin, die vor allem mit ihrer Textilkunst und Malerei brillierte, soll das nun ändern. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen ihre Arbeiten aber auch die Verbindung zu den Künstlern Heinrich Danioth und August Babberger.

Der Urner Kreis und Erna Schillig

Erna Schillig wurde am 27. September 1900 in Altdorf geboren. Nach dem Besuch der Volksschule durchlief sie die Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete in der Westschweiz. 1925 kehrte sie aus gesundheitlichen Gründen in die Heimat zurück. Ihre Eltern führten in den Sommermonaten das Hotel Klausenpasshöhe. Dort lernte sie den deutschen Maler August Babberger kennen, der – wie auch der mit ihr befreundete Maler Heinrich Danioth – gerne Ferien auf dem Klausenpass verbrachte. Zusammen mit Heinrich Danioth und weiteren Urner Künstlern, Literaten und Musikern gehörte sie zum «Urner Kreis», der sich um Babberger gebildet hatte. Dies führte dazu, dass sie mit 27 Jahren für drei Jahre die Badische Landeskunstschule in Karlsruhe besuchte, wo Babberger die Fachklasse für dekorative Malerei und Wandmalerei leitete. Er erkor Erna Schillig zu seiner Meister- und Privatschülerin. Babbergers Frau, Anna Maria Babberger-Tobler, war ebenfalls Künstlerin. 1907, mit 27 Jahren, hatte sie erstmals schwere Depressionen und verbrachte ein Jahr in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. Fünf Jahre später, 1912, heirateten sie und August Babberger in Stampa, dem Wohnort Augusto Giacomettis, welcher Trauzeuge und ein guter Freund des Paares war. Rund zwanzig Jahre später stürzte sie der Niedergang der Privatbank ihres Vaters und die Liebesbeziehung, die ihr Mann mit Erna Schillig um 1930 einging, in die zweite grosse Krise ihres Lebens. Davon konnte sich Anna Maria Babberger-Tobler nie mehr erholten. Sie starb am 20. April 1935 in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen.

Weltausstellung in Paris

In den folgenden Jahren wurde Erna Schillig immer mehr zu Babbergers Mitarbeiterin und endgültigen Lebensgefährtin. Zusammen malten sie 1932 die Höfli-Kapelle in Altdorf aus und das Künstlerbuch «Vom Urnersee über den Klausenpass» mit Holzschnitten von Schillig und Texten von Babberger erschien. Ausserdem schrieben Schillig und Babberger das Buch «Das Paradies der Höhensucher. Sommernotizen von der Klausenpasshöhe». Inspiriert von den Urner Hochgebirgslandschaften entstanden in den 1920er- und 1930er-Jahren viele Pastellmalereien, Feder- und Bleistiftzeichnungen, in denen eine abstrahierte, rhythmisierte Farbsprache erkennbar ist. Bekannt wurde Schillig durch ihre Wandbilder in Putztechnik und ihre Wandteppiche. Ihr Trachtenteppich wurde an der Weltausstellung 1937 in Paris im Schweizer Pavillon gezeigt. Nach dem Tod Babbergers und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges arbeitete Erna Schillig vorübergehend als Krankenschwester in einem Zuger Internierungslager. Von 1947 bis 1967 leitete sie die Textilabteilung der Kunstgewerbeschule in Luzern und verhalf ihr zu Renommee. Erna Schillig wurde 1960 vom Kanton Luzern mit dem Professorinnentitel ausgezeichnet. Nach ihrer Pensionierung lebte sie zurückgezogen bis zu ihrem Tod am 1. Mai 1993 im hohen Alter von 93 Jahren in Altdorf.

Aufwändiges Projekt

Kuratiert wird die Ausstellung von der Direktorin des Hauses für Kunst Uri, Barbara Zürcher gemeinsam mit dem Kunstkenner Jürg Nyffeler. Zusammen mit seiner Frau Ruth Nyffeler führt er die Edition 5, eine der bedeutendsten Sammlungen in der Zentralschweiz zur zeitgenössischen Kunst. Das Ehepaar produziert mit internationalen, national bekannten Künstler:innen Multiples in limitierter Auflage von genau fünf Stück. Besonders verdient gemacht hat sich, was die Ausstellung von Erna Schillig betrifft auch Martin Arnold, der über 80 Werke aus privaten Haushalten aufwändig zusammengetragen hat. Das Kuratorenteam Zürcher-Nyffeler kann nun aus dem Vollen schöpfen und jene Exponate auswählen, die das Werk von Erna Schillig besonders gut repräsentieren. Martin Arnold hat Erna Schillig persönlich gekannt und das schon als junger Knabe. Auf dem Klausenpass war er in den Sommerferien im Restaurant «als Junge für alles» tätig. Seine Erlebnisse hat er im Buch «Erinnerungen an das HOTEL KLAUSEN-PASSHÖHE» festgehalten, das 2021 im Verlag Gisler1843 erschienen ist.

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